AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

SozialAktuell — Die Fachzeitschrift für Soziale Arbeit

Monatsthema:

Komm, wir spielen

Ausflüge in das wahre Leben

Ursula Binggeli und Christa Boesinger


Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Das Konzept für diese Ausgabe zu verfassen hat uns Freude gemacht. Spätsommer war’s, draussen blühten die ersten Sonnenblumen. Wir gingen ziemlich unbekümmert zu Werke, unbeschwert, ungezwungen, unverkrampft, locker und zwanglos – alles Adjektive, die gemäss dem Duden Synonyme des Wortes ‚spielerisch’ sind. Heute übergeben wir Ihnen das Resultat: ein Heft zu einem wichtigen Thema. Denn das leichtfüssig wirkende Spiel ist in Tat und Wahrheit ein Schwergewicht. Wir brauchen es, damit es uns gut geht. Grosse internationale Leitplanken tragen diesem Umstand Rechnung. Das Recht auf Spiel ist in Artikel 31 Absatz 1 der UN-Kinderrechtskonvention verankert. Und Artikel 24 der Erklärung der Menschenrechte hält fest, dass Jede und Jeder ein Recht auf Freizeit hat. Das Spiel, das nichts muss, aber alles kann, bietet Raum für Vergnügen, für Kreativität, für Geselligkeit, für Fantasiereisen und Experimente, alles befreit von der Sorge um direkte Konsequenzen – denn es ist ja nur ein Spiel! Wir lachen (und ärgern uns manchmal), wir taktieren sorgfältig oder gehen voll auf Risiko, wir probieren verschiedene Wege aus, wir schlüpfen in Rollen und wir lernen und entwickeln uns weiter, ohne dass wir es merken. Das Spiel ist eine der schönsten Hauptsachen der Welt. Und so spielen wir also, Jung und Alt, alleine, zu zweit, in der Gruppe. Drinnen oder draussen. Analog oder digital. Mit und ohne Regeln, mit und ohne Anleitung, mit und ohne Gewinnaussichten. Manchmal regiert der Zufall, das Glück, und manchmal das Geschick. Sie finden auf den folgenden Seiten Beiträge von Autorinnen und Autoren, die sich in Theorie und Praxis mit dem Spiel beschäftigen. Der inhaltliche Bogen ist breit gespannt, er beginnt in grauer Vorzeit und führt zum Spiel als Methode der Sozialen Arbeit. Reflexion und Werkstattberichte wechseln sich in bunter Folge ab. Es ist kein Heft, das fein säuberlich von vorn nach hinten gelesen werden muss. Hüpfen Sie! Vorwärts, rückwärts, wieder vorwärts – wie es Ihnen gefällt. Wir wünschen Ihnen Spass und Erkenntnis.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

Kolumne: von aussen betrachtet
Simon Chen,
Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz



Du bist dran!
Kurzschauspiel für 2 Spielfiguren

A: Das gilt nicht!
B: Ach komm, nur diesmal.
A: Nein.
B: Du darfst dann auch.
A: Nein, keine Ortsnamen!
B: Sei doch nicht so streng, ist doch nur ein Spiel.
A: Eben. Und jedes Spiel hat Spielregeln.
B: Mensch, es geht doch um nichts, du nimmst das viel zu ernst!
A: Wer ein Spiel nicht ernst nimmt, hat schon verloren.
B: Ich bin aber am gewinnen.
A: Weil du immer bescheissen willst!
B: Ich bescheisse nicht, ich interpretiere die Regeln einfach
nicht so saustreng wie du.
A: Die Regeln sind eindeutig: keine Ortsnamen - da gibt’s nichts
zu interpretieren!
B: Das sagen religiöse Fanatiker auch.
A: So ein Unsinn! Wenn wir spielen, spielen wir richtig!
B: Ich spiele zum Spass.
A: Ich auch!
B: Das merkt man aber nicht.
A: Aber wenn jeder spielt, wie es ihm passt, geht es nicht! Da
können wir gradsogut...
B: Was?
A: ...irgendetwas sinnloses machen.
B: Ich spiele nicht, weil es Sinn macht, sondern zum Vergnügen!
A: Das schliesst sich doch verdammtnochmal nicht aus!
B: Mann, beruhig dich, ist doch nur ein...
A: ..ich weiss! Ein Spiel. Mit Spielregeln!
B: Du bist einfach ein spiessiger Prinzipienreiter!
A: Und du ein rücksichtloser Regelbrecher!
B: Ein humorloser Spielverderber!
A: Asozialer Bescheisser!
B: Asozial?...Warte mal.
A: Was?
B: Ich mach was anderes. Hier. „ASOZIAL„.Dreifacher Wortwert.
32 Punkte. Danke! Du bist dran.