AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

SozialAktuell — Die Fachzeitschrift für Soziale Arbeit

Monatsthema:

Sitzungen

Kennen wir doch! Wirklich?

Robert Löpfe

Letzten Sommer hatte ich die Idee, ein Heft über Sitzungen zu machen. Sofort empfand ich einen Nervenkitzel und ein leichtes Erschrecken. Als ob ein Schwerpunkt zum Thema Sitzungen ein Narrenstück oder ein Sakrileg wäre. Als ich kurz darauf meinen Plan an der Sitzung der Redaktionsgruppe vorstellte, stand dieses Gefühl ebenfalls im Raum.
Warum dies? Gibt es etwas Geheiligtes in Sitzungen, das mit einem Tabu geschützt wird? Während der Vorbereitung dieses Schwerpunkts kamen neue Fragen dazu: Wieso gibt es so wenig empirisch gesichertes Wissen über Sitzungen in der Sozialen Arbeit? Warum gab es noch nie einen Schwerpunkt zum Thema Sitzungen in unserer Zeitschrift?
Vielleicht finden Sie auf den folgenden Seiten Antworten. Den hier versammelten Texten ist gemeinsam, dass sie Möglichkeiten anbieten, die harte Sitzungs-Nuss zu knacken. Es werden unterschiedliche Settings aufgegriffen, nämlich das Hilfeplangespräch durch Heinz Messmer und die interdisziplinären Sitzungen durch Nina Wyssen-Kaufmann. Sarah Henn und Gerrit Kaschuba bearbeiten die für unsere Profession zentralen Themen der Qualität und der geschlechtlichen Diskriminierung. Sibylla Amstutz von der HSLU beleuchtet den scheinbar nebensächlichen Aspekt des Sitzungsraums, und Caroline Theiss Wolfsberger beschäftigt sich mit unserem Körper, der in der Sozialen Arbeit ein Mauerblümchendasein fristet.
Ich freue mich, dass sich auch drei ExpertInnen bereit erklärt haben, etwas zu diesem Schwerpunkt beizutragen, die in der Rolle von KlientInnen an zahlreichen Standortgesprächen teilgenommen haben. Sie erzählen uns von ihrer Sicht auf Sitzungen. Mein Einführungstext zu Beginn ist als Startrampe für die Lektüre des Schwerpunkts gedacht.
Gewiss werden Sie Ihren Nussknacker finden. Ich wünsche Ihnen ein ergiebiges Knacken und Knabbern.

Kolumne: von aussen betrachtet
Simon Chen,
Autor und Kabarettist


Der Weg ist das Ziel

Sitzuationen im Büro





A: Wir sollten demnächst mal mit dem Team zusammensitzen.
B: Ja, warum?
A: Wir müssen einen Termin finden für die Semesterevaluation.
B: Okay, aber wenn wir schon zusammensitzen, warum machen wir die Evaluation nicht gleich?
A: Ist noch zu früh, das Halbjahr ist ja noch nicht zu Ende. Vor Mitte, Ende Juni macht das keinen Sinn. Aber den Termin müssten wir langsam festlegen.
B: Geht das nicht per Mail?
A: Die Evaluation?
B: Nein, den Termin finden.
A: Nein, per Mail ist erfahrungsgemäss viel umständlicher. Bis da mal jede geantwortet hat. Wenn alle schnell an den Tisch sitzen und ihre Agenden zücken, haben wir das in zehn Minuten.
B: Warum bestimmst nicht einfach du das Datum, du bist schliesslich die Leiterin hier?
A: Hab ich auch schon gemacht, aber da konnten am Ende dann doch nicht alle. Es ist aber wichtig, dass bei der Evaluation alle dabei sind.
B: Na gut, lass uns das schnell in der Znüni-Pause machen, ich sag den anderen Bescheid.
A: Geht nicht, ich hab gleich einen externen Termin. Aber vielleicht kurz vor der Mittagspause?
B: Ich hab einen Klienten bis sicher halb eins.
A: Während der Mittagspause?
B: Es bleiben nicht alle über Mittag hier. Marina muss nach Hause wegen der Tochter.
A: Wir müssen aber bald einen Termin finden, damit wir ...
B: ... für Juni einen finden.
A: Also, wann treffen wir uns? Mach bitte einen Vorschlag!
B: Ich mach ein Doodle.