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SozialAktuell — Die Fachzeitschrift für Soziale Arbeit

Monatsthema:

Frühpadagogik

Zwischen kindgerechter Förderung und familienentlastender Sozialpolitik

Von Frank Will und Thomas Roth

Den Bildungsbegriff im Zusammenhang mit frühkindlicher Förderung zu verwenden, löst in vielen Kreisen von stirnrunzelndem Unverständnis bis zum Abwinken mit dem schönen Satz “Lasst Kinder doch Kinder sein“ eher ablehnende Reaktionen aus. Bildungspolitisch beginnt die frühe Förderung von Kindern in der Deutschschweiz erst ab dem 4. Lebensjahr mit Eintritt in den 2jährigen Kindergarten. Und auch das erst verbindlich nach dem Inkrafttreten des Harmos-Konkordates ab 2015, wobei in vielen Kantonen Eltern auf Gesuch hin ihre Kinder nicht in den bedrohlichen Kindergarten schicken müssen. Weitergehende Reformbemühungen wie die Zusammenführung von Kindergarten und den ersten Schuljahren als Grund- bzw. Basisstufe oder gar die im Ausland übliche organisatorische und pädagogische Zusammenführung von Kindergarten und Kita sind politisch entweder gescheitert oder werden gar nicht erst zu denken versucht.
Frühe Förderung von Kindern ab Geburt wird meist nur dann unterstützt (bzw. sogar für obligatorisch erklärt, wie im neuen Integrationsgesetz von Basel-Stadt), wenn sie sozial- oder integrationspolitisch begründet wird. Eine pädagogische Begründung, Kinder so früh wie möglich spielerisch zu fördern, wird jedoch kaum je vorgebracht. Genau dies will der nationale Orientierungsplan, der in wenigen Tagen offiziell vorgestellt wird und der gerade dank dieser Grundausrichtung sicherstellen will, dass Kinder Kinder sein können. Das Kindswohl ist nämlich in der öffentlichen Debatte um Rahmenbedingungen der frühkindlichen Betreuung und Bildung meist nur am Rande ein Thema und wird reflexartig mit der familiären Betreuung gleichgesetzt. Die unselige SVP-Kampagne gegen staatliche Bildung allgemein und frühkindliche im Besonderen fordert da offensichtlich auch weit in sonst bildungsfreundliche Kreise hinein ihren Tribut.
Neben einem kinderfreundlichen Bildungsansatz sind natürlich die fachlichen und personellen Rahmenbedingungen durchaus von Bedeutung, da der Ausbau der Betreuungsplätze und die Ausbildung der entsprechenden Fachleute beträchtliche gesellschaftliche Ressourcen erfordert. Ein rein quantitativer Ausbau führt nämlich zur grossen Gefahr der Vernachlässigung des qualitativen Ausbaus, wie er von verschiedenen Untersuchungen in der Schweiz und Deutschland zu Recht gefordert wird. Ein Abbild dieses Spannungsbereiches geben die beiden Interviews, welche wir in der Wandelhalle des Bundeshauses mit SP- Nationalrätin Hildegard Fässler (Präsidentin KitaS) und FDP-Nationalrat Otto Ineichen (Stiftung Speranza, Stiftung Wirtschaft + Familie) geführt haben. Interessant ist dabei unter anderem die Frage: Wie kann der wachsende Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder in den nächsten Jahren massiv erhöht werden? Braucht es dazu „Billig-Krippen“, geführt von Frauen, die nach ihrer eigenen Babypause gestützt auf eine Schmalspurausbildung als Ich-AG wieder ins Berufsleben einsteigen, oder ist eine koordinierte staatliche Initiative unter Einbezug der Schul- und Kindergarteninfrastruktur der erfolgversprechende Weg?

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Kolumne











Von Oswald Sigg
Bedingungsloses Grundeinkommen
Kürzlich wurde die Eidgenössische Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen lanciert. Dabei geht es darum, die Arbeit und ihre Bezahlung neu zu betrachten. Nicht nur Erwerbsarbeit ist richtige Arbeit. Heute unterscheiden wir drei Arten: bezahlte, freiwillige und unbezahlte Arbeit. Alle Arbeiten sind gesellschaftlich mehr oder weniger notwendig. Eines steht aber fest: die Hälfte aller heute geleisteten Arbeitsstunden sind sowohl notwendig als auch unbezahlt. Das bedingungslose Grundeinkommen soll diese Tatsache ändern.
Buch des Monats:

Sexualität und Partnerschaft bei Menschen mit geistiger Behinderung


Rezension von Riccardo Bonfranchi
Bender, S. (2012). Sexualität und Partnerschaft bei Menschen mit geistiger Behinderung. Perspektiven der Psychoanalytischen Pädagogik. Giessen: Psychosozial-Verlag. 330 Seiten, ISBN 978-3-8379-2122-9, CHF 41.90

Vor dem Hintergrund der Psychoanalyse breitet die Verfasserin in diesem Buch ein weites Spektrum an Erkenntnissen aus, um der gewählten Thematik der Sexualität gerecht zu werden. Sie spricht hierbei heilpädagogische Grundprinzipien sowie die psychoanalytische Pädagogik an. Ein grösseres Kapitel ist den spezifischen Aspekten der Sexualität bei geistiger Behinderung gewidmet. Thematisiert werden: institutionelle Abwehr, Kinderwunsch und Elternschaft, Medizin und Kontrazeption, Sexuelle Gewalt und Sexualassistenz. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Autorin auch der psychischen Entwicklung von Partnerschaften von Menschen mit geistiger Behinderung. Der zweite Teil des Buches setzt sich mit praktischen Erörterungen der Thematik auseinander, wie z. B. der Partnersuche, Partnerfindung (Singlepartys, Partnervermittlung Schatzsuche), Erwachsenenbildung, sowie vier ausführlich dargestellte klinische Fallbeispiele.