AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

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SozialAktuell — Die Fachzeitschrift für Soziale Arbeit

Monatsthema:

Männer in der Sozialen Arbeit


Von Frank Will und Armin Eberli

Manchmal braucht Mann schöne Sachen, lautete die vorweihnachtliche Werbebotschaft der Drogeriekette meines Vertrauens, während ich an dieser Einleitung schreibe. Manchmal sagt Mann auch launige Sachen an Redaktionssitzungen, etwa wenn die Themenschwerpunkte der kommenden Ausgaben von SozialAktuell festgelegt werden: „Es braucht jetzt einen Männer-Special.“ Damals ahnten wir noch nicht, wie aktuell das Thema bald werden sollte. Gleich zwei Tagungen in Frankfurt am Main und in St. Gallen beschäftigten sich bald darauf mit der Situation der Männer in den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit.
Sollte es im „Frauenberuf“ Soziale Arbeit mehr Männer geben? Braucht es gar eine Art Männerförderung? Obwohl Männer in der SA zwar unterrepräsentiert, in den Führungsgremien der Sozialen Arbeit aber klar überrepräsentiert sind? Wie gehen männliche Mitarbeiter in Behindertenheimen oder Kinderkrippen mit dem Generalverdacht um, als potentielle Täter sexueller Übergriffe taxiert zu werden? Solche und ähnliche Fragen haben wir uns gestellt und unsere AutorInnen um Antworten gebeten. Auch die acht Männer, die sich bei ihren Hobbys von uns fotografieren liessen, machen sich Gedanken über geschlechtsspezifische Aspekte ihrer Arbeit.
Wir haben diesen Schwerpunkt zusammen mit den OrganisatorInnen der St. Galler Fachtagung vom November 2011 konzipiert. Zum Einstieg präsentieren Gabriella Schmid und Rita Kessler die Imagekampagnen und Forschungsprojekte der FHSG für mehr Männer in Studium und Praxis. Anschliessend erläutern Ursula Graf und Steve Stiehler ihre Studie zum veränderten Männerbild in der Sozialen Arbeit. Ihr Fazit: Es herrsche heute hegemoniale Ritterlichkeit statt birkenstocktragender Empathie. In einem Roundtable-Gespräch beurteilen vier Fachleute unter anderem die Forderung nach einer Männerförderung. Diese wird klar zurückgewiesen, aber es brauche ein anderes Rollenverständnis, um als Mann im sozialen Bereich tätig zu sein. Wir besuchen die Berner Kita Matte, geleitet von einem Mann, in dessen Team fünf weitere Männer tätig sind. Und Christian German erläutert seine Sicht auf den Generalverdacht, dem männliche Betreuer als potentielle Sexualtäter ausgesetzt sind.
Kolumne
Von Stéphane Beuchat
Die Soziale Arbeit im Würgegriff des Rechtsstaats
Der Berufsverband AvenirSocial hat beim Bundesgericht in Lausanne Beschwerde eingelegt gegen das neue Sozialhilfegesetz des Kantons Berns. Denn das teilrevidierte Gesetz beinhaltet zwei Neuerungen, die aus unserer Sicht verfassungswidrig sind: Es handelt sich um die Bestimmung zu den Generalvollmachten und diejenige zu den Auskunftspflichten von Privatpersonen.
Buch des Monats:

Innovation in der Sozialen Arbeit


Rezension von Monika Stocker
Parpan-Blaser, Anne (2011). Innovation in der Sozialen Arbeit, zur theoretischen und empirischen Grundlegung eines Konzepts. Wiesbaden: VS Verlag. 276 Seiten, 978-3-531-18171-4, CHF 52.00.
Das Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit ist weit. Die Autorin gliedert ihre Reflexion in die drei Bereiche: öffentlicher Sektor, Non-Profit- und Dienstleistungsbereich. An diesen Bereichen orientieren sich auch die empirische Nachfrage und die vergleichende Analyse. Ist Innovation z.B. in einem regionalen Sozialdienst, wo also Gesetze, Behörden und staatliche Kontrolle manifest sind, grundsätzlich anders als zum Beispiel in einem Jugendtreffpunkt, wo ein Miliz orientierter Träger das Handlungsfeld mitbestimmt, Gelder spricht und die Kontrolle, respektive das Ergebnis sehen will? Oder ist Innovation ein sehr schillernder sich immer wieder spiegelnder Begriff ohne eigene Konsistenz? Dagegen würde die Autorin sich verwahren. Innovation ist nicht beliebig. Sie hat aber – da in der Praxis festgemacht - immer einen auf die Adressatinnen und Adressaten fokussierten Teil.
So definiert die Autorin denn auch: „Innovationen in der Sozialen Arbeit sind auf neuem oder neu kombiniertem Wissen basierende, in intendierten und kooperativen Prozesses entwickelte Organisations- und Arbeitsformen, Programme, Konzepte und Verfahren, die einen Mehrwert namentlich für Adressatinnen und Adressaten erzeugen“.
Die Dissertation ist anspruchsvoll und eignet sich für Menschen, die in Theorie und Praxis an konzeptionellem Denken, an wissenschaftlicher Debatte und an klaren Begriffsdefinitionen und ihrer Akzeptanz interessiert sind. Wer daher an der auf Zukunft orientierten Weiterentwicklung der Profession Soziale Arbeit hinarbeitet, sollte sich dieses Werk aneignen. Es klärt und gibt eine Systematik mit auf den Weg, die hilfreich sein und Orientierung geben kann.
Die Dissertation ist keine einfache Lektüre, die auf die Schnelle auch noch Tipps zur Innovation geben will. Vielmehr verlangt sie von der Leserin, dem Leser, dass sie sich in ihren Praxisfeldern und in ihren Projektvorhaben klar und deutlich positionieren. Was ist die Ausgangslage, wo sind die Eckdaten und die Parameter für die Reflexion? Es ist daher wünschenswert, dass in den Institutionen z.B. in Gruppen und Führungsgremien für grössere Projekte auch ein Moment der klaren Fragestellung und Definition möglich ist, bevor gestartet wird. Ebenso ist zu wünschen, dass am Ende eines Prozesses die Zeit genommen wird, sich die Innovation theoretisch wie praktisch zu erhärten. Dabei kann das vorliegende Werk klären helfen.