Die Soziale Arbeit im Würgegriff des Rechtsstaats
Der Berufsverband AvenirSocial hat beim Bundesgericht in Lausanne Beschwerde eingelegt gegen das neue Sozialhilfegesetz des Kantons Berns. Denn das teilrevidierte Gesetz beinhaltet zwei Neuerungen, die aus unserer Sicht verfassungswidrig sind: Es handelt sich um die Bestimmung zu den Generalvollmachten und diejenige zu den Auskunftspflichten von Privatpersonen.
Buch des Monats:
Innovation in der Sozialen Arbeit
Rezension von Monika Stocker
Das Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit ist weit. Die Autorin gliedert ihre Reflexion in die drei Bereiche: öffentlicher Sektor, Non-Profit- und Dienstleistungsbereich. An diesen Bereichen orientieren sich auch die empirische Nachfrage und die vergleichende Analyse. Ist Innovation z.B. in einem regionalen Sozialdienst, wo also Gesetze, Behörden und staatliche Kontrolle manifest sind, grundsätzlich anders als zum Beispiel in einem Jugendtreffpunkt, wo ein Miliz orientierter Träger das Handlungsfeld mitbestimmt, Gelder spricht und die Kontrolle, respektive das Ergebnis sehen will? Oder ist Innovation ein sehr schillernder sich immer wieder spiegelnder Begriff ohne eigene Konsistenz? Dagegen würde die Autorin sich verwahren. Innovation ist nicht beliebig. Sie hat aber – da in der Praxis festgemacht - immer einen auf die Adressatinnen und Adressaten fokussierten Teil.
So definiert die Autorin denn auch: „Innovationen in der Sozialen Arbeit sind auf neuem oder neu kombiniertem Wissen basierende, in intendierten und kooperativen Prozesses entwickelte Organisations- und Arbeitsformen, Programme, Konzepte und Verfahren, die einen Mehrwert namentlich für Adressatinnen und Adressaten erzeugen“.
Die Dissertation ist anspruchsvoll und eignet sich für Menschen, die in Theorie und Praxis an konzeptionellem Denken, an wissenschaftlicher Debatte und an klaren Begriffsdefinitionen und ihrer Akzeptanz interessiert sind. Wer daher an der auf Zukunft orientierten Weiterentwicklung der Profession Soziale Arbeit hinarbeitet, sollte sich dieses Werk aneignen. Es klärt und gibt eine Systematik mit auf den Weg, die hilfreich sein und Orientierung geben kann.
Die Dissertation ist keine einfache Lektüre, die auf die Schnelle auch noch Tipps zur Innovation geben will. Vielmehr verlangt sie von der Leserin, dem Leser, dass sie sich in ihren Praxisfeldern und in ihren Projektvorhaben klar und deutlich positionieren. Was ist die Ausgangslage, wo sind die Eckdaten und die Parameter für die Reflexion? Es ist daher wünschenswert, dass in den Institutionen z.B. in Gruppen und Führungsgremien für grössere Projekte auch ein Moment der klaren Fragestellung und Definition möglich ist, bevor gestartet wird. Ebenso ist zu wünschen, dass am Ende eines Prozesses die Zeit genommen wird, sich die Innovation theoretisch wie praktisch zu erhärten. Dabei kann das vorliegende Werk klären helfen.