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Kolumne: von aussen betrachtet (Grüezi, was kann ich fur Sie tun?)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen

Autor und Kabarettist
Dialog am Gemeindeschalter
A: Guten Tag!
B: Guüezi, was kann ich für Sie tun?
A: Ich bin kürzlich hierher gezogen …
B: … aha, wohl in diese neue Siedlung …
A: … genau. Ich wollte mich erkundigen, was es hier für Angebote gibt;
ich möchte gerne Leute vom Dorf kennenlernen.
B: Gehen Sie am besten in die Wirtschaft, der Sternen ist gleich nebenan.
A: Ich denke mehr an ein aktives Engagement …
B: Wir haben verschiedene Vereine, Fussballclub, Schützenverein, Gemischter Chor …
A: … zum Beispiel alten Leuten im Altersheim vorlesen oder sowas.
B: Hier gibts kein Altersheim. Bei uns auf dem Land werden die Alten noch zu Hause betreut.
A: Verstehe. Aber vielleicht gibts sonst Aufgaben, für die es Freiwillige braucht?
B: Vor Weihnachten, Kerzenziehen, da brauchts immer ein paar Helferinnen.
A: Kerzenziehen ist schön, aber jetzt haben wir Februar.
B: Ich schau mal. (Blättert in einem Ordner) «Integration von Neuzugezogenen» … da steht aber nur «Wenden Sie sich an die Gemeinde».
A: Da bin ich ja richtig hier …
B: Ich weiss nicht. Wissen Sie, bis diese Siedlung gebaut wurde, hatten wir eigentlich keine Neuzuzüger.
A: Darf ich fragen, sind Sie denn irgendwo dabei?
B: Ich?
A: Ja, engagieren Sie sich neben Ihrem Job hier noch irgendwo?
B: (zögert) … Ich war aktiv im Initiativkomitee gegen diese Siedlung.
A: Oh! (schmunzelt. B schmunzelt zurück)
B: Das ist nichts gegen Sie, wir wollten einfach nicht, dass so viel Grünland verbaut wird. Jetzt ist es eben, wie es ist. Warum sind Sie denn hierhergezogen, wenn ich fragen darf?
A: In der Stadt war es mir zu hektisch, zu laut. Überall diese Baustellen …
Beide lachen los.
A: Ich bin die Angela.
B: Bea.