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Kolumne: von aussen betrachtet (Hilfen zur Erziehung)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
...aber ich erziehe auch. Und die beste Hilfe zur Erziehung ist meiner Meinung nach die durch den Partner. Erziehung gelingt am besten, wenn sie auf mehrere Schultern verteilt ist. Aber obwohl das die Mehrheit gut fände, arbeiten noch immer viel zu wenig Väter Teilzeit, um Erziehungsaufgaben zu übernehmen. Das liegt natürlich vor allem an den Männern. Einerseits an den Chefs, die ihren angestellten Papis nicht erlauben, ihr Pensum zu reduzieren. Aber auch an den angestellten Papis selbst, welche dies nicht genügend einfordern, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Ihr Wille, ein oder zwei Tage mehr zu Hause zu sein, ist in vielen Fällen mehr theoretischer denn praktischer Natur, es ist leiser Wunsch, aber keine lautstarke Forderung. Die jahrhundertelange Tradition, dass Papa von 7 bis 18 Uhr ausser Haus ist, wiegt eben schwer.
Und sie wissen auch nicht, was ihnen entgeht! Ich kann das jetzt aus zehnjähriger Erfahrung als aktiver Erziehungsberechtiger sagen: Jungväter, ihr verpasst was! Im übrigen kann es kein Kaderposten mit dem Anforderungsprofil eines engagierten family managers aufnehmen: etwa im Gebrüll deines Kindes nach Inhalten zu suchen oder ihr Gebrabbel richtig zu interpretieren. Ihr Geschrei aus dem Geschreibrei eines Kinderspielplatzes herauszuhören. Es jederzeit und überall zu machen; auf dem Klo, auf dem Boden, im Zug – Windeln wechseln. Mit dem Gefühl der Minderheit klarkommen, wenn du auf dem Spielplatz der einzige Mann unter lauter Müttern bist. Kurz: Vaterschaft ist Alltag, nicht quality time! Quality time hielte keiner Quantitätskontrolle stand. Denn für Kinder ist die Präsenz ihres Vaters wie Süssigkeiten: viel ist gut. So wie Ersatzfussballer nur Ersatzfussballer sind, sind Wochenendväter eben nur Wochenendväter. Die Erfüllung der ehelichen Pflicht am Sonntagmorgen hat ja auch nichts mit Ehe zu tun. Vaterschaft ist eben nicht, wenn der Vater schafft. Und noch etwas: mann erhält sehr viel zurück! Und zwar jeden Tag und nicht erst am Ende des Monats; nicht vom Chef, sondern von seinen lieben Untergebenen.
Teilzeitarbeit zugunsten von Kinderzeit heisst, dass du dich nach zweienhalb Tagen Stress in der Firma auf die Abwechslung mit den Kindern freust, und nach zweienhalb Tagen Hektik mit den Gören wieder froh bist, ins Büro gehen zu dürfen. Eine klassische Win-win-Situation. Liebe Frauen, diese Kolumne war jetzt nicht so für euch. Es sei denn, sie zeigt Werbewirkung, und eure Männer leisten euch in Zukunft tatkräftige Hilfe zur Erziehung.