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Kolumne: von aussen betrachtet (Soziale Arbeit und Musik)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
...aber zu Musik kann jeder etwas erzählen, so auch ich. Als Autor beneide ich immer wieder die Musiker, denn ein Ton wirkt unmittelbarer als jedes Wort. Musik ist eine universale Sprache, die jedermann versteht. Ich beneide nicht so sehr, dass Musiker ohne sprachliche Barrieren in jedem Land auftreten können, ich habe keine Ambitionen auf eine internationale Karriere. Aber die Wirkung von Musik ist ungleich grösser als die der Sprache. Musik bewegt, Musik wirkt direkt, körperlich und seelisch. Musikhören und v. a. Musikmachen tut einfach gut, es hat therapeutische Wirkung, was ich vom Vortragen von Texten nicht unbedingt behaupten kann. Wenn ich als Bub in der Kirche sang, verursachte das bei mir immer Gähnen, aber nicht, weil mich der Inhalt des Kirchgesangsbuches langweilte, sondern dies war der unmittelbare körperliche Effekt, den das gemeinsame Singen in der Kirche auf mich hatte. Wenn ich heute singe, muss ich nicht mehr gähnen; aber es gibt Lieder, welche mich zuverlässig zu Tränen rühren. Es ist der Klang bestimmter Passagen, gewisser Harmonien, welcher wie auf Knopfdruck die Schleusen meiner sonst selten beanspruchten Tränensäcke öffnet.
Es funktioniert aber auch ohne aktives Mitsingen. Probiert es auch mal aus! Gebt auf YouTube «Irish Blessing, James E. Moore» ein. Das ist so ein Stück, das bei mir auch beim x-ten Hören und Singen Hühnerhaut hervorruft. Ich bin nicht gläubig und auch nicht besonders rührselig, aber spätestens bei der Refrainzeile «May God hold you in the palm of his hand» passierts: Die Stimme wird zittrig, der Blick wässrig. Ich weiss nicht, ob diese Liedstelle auch mit einem belangloseren Text (etwa «May Ron meet Lou in a bar full of sand») oder in einer Sprache, die ich nicht verstehe, die gleiche Reaktion hervorrufen würde. Ich vermute, das Geheimnis liegt vor allem im Klang, anders gesagt: Die Kraft der Musik ist stärker als die göttliche, oder man könnte auch sagen: Wenn es Gott gibt, zeigt er sich in der Musik. Musik bewegt. Und das im guten Sinn, was ich – mit Blick auf das Weltgeschehen – von der Wirkung von Worten nicht uneingeschränkt behaupten kann.
Lange Rede, kurzer Sinn: Auch wenn ich nicht vom Fach bin und nicht weiss, wie ihr SozialarbeiterInnen Musik in eurer Arbeit einsetzt, glaube ich fest daran – nein, ich weiss es! –; dass sie euch und euren KlientInnen zugutekommt. Halleluja!