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Archiv 2016

Nov. 16: Erfolgreiche Interventionen für Berufs- und Titelschutz
Ab dem 1.1.2017 tritt im Kanton Bern ein neues Besoldungssystem in der Sozialhilfe sowie im Erwachsenen- und Kindesschutz in Kraft. Über Fallpauschalen sollen neu alle Kosten finanziert werden. Auch die Anforderungen an die Qualifikation des fallführendes Fachpersonals wurden neu definiert.

AvenirSocial Sektion Bern hat sich in der Konsultation der Verordnungen SHV und ZAV für genügend Zeitressourcen für alle Aufgaben und für den Berufs- und Titelschutz engagiert.

Mit unseren Interventionen konnten wir Folgendes erreichen:

1) Eine klare Berufsbezeichnung auch in Zukunft: Als Sozialarbeitende gelten Personen mit einer anerkannten Fachausbildung in Sozialer Arbeit. Personen, die eine sogenannt gleichwertige Ausbildung mitbringen, werden nicht (wie in der Konsultation vorgesehen) als Sozialarbeitende bezeichnet, auch wenn sie als Fachpersonal gelten können (SHV Art. 3a und 3b).
2) Eine präzisere Definition, welche Aufgaben an Personal ohne Fachausbildung delegiert werden können (SHV Art. 3c, mit Details im Vortrag).
3) Dank den Interventionen aller Organisationen im Sozialbereich konnte erreicht werden, dass die separate Finanzierung der Löhne der Praktikant/innen in Art. 35 SHV erhalten bleibt.

Das Problem der fehlenden Finanzierung der präventiven Beratungen im Bereich des Kindesschutzes wurde vom Regierungsrat zwar erkannt, muss aber wegen (noch) fehlender rechtlicher Grundlagen ausserhalb der ZAV-Verordnung gelöst werden.

Wichtig ist nun, im geplanten Monitoring sorgfältig zu prüfen, wie sich der Systemwechsel auswirkt und wofür die definierten Fallpauschalen reichen bzw. wofür die Gelder zu knapp bemessen sind.

Zu den Änderungen der SHV und dem erläuternden Vortrag.
Zu den Änderungen der ZAV und dem erläuternden Vortrag.
Okt. 16: Replik auf BZ-Interview vom 19. Oktober 2016 zur Sozialhilfe
Das in der Berner Zeitung publizierte Interview mit Frau Lanker hat den Vorstand von AvenirSocial Sektion Bern dazu bewogen, der BZ ein Interviewangebot zu unterbreiten.

Daraufhin konnte Florentin Jäggi, Vorstandsmitglied, eine Replik schreiben. Diese wurde als Gastbeitrag in der Print-Ausgabe der Berner Zeitung vom Samstag, 29.10.16 publiziert.

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Replik von Vorstandsmitglied Florentin Jäggi - document, 0.69 MB)   Replik von Vorstandsmitglied Florentin Jäggi (0.69 MB)
Einige Berufskolleg/innen haben das Interview online kommentiert, andere einen Leserbrief verfasst. Vielen Dank für euer Engagement!

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Leserbrief des Leitungsteam Monbijou - document, 0.14 MB)   Leserbrief des Leitungsteam Monbijou (0.14 MB)
Okt. 16: Diskussion eröffnet: Auswirkungen der zukünftigen Subjektfinanzierung im Behindertenbereich auf die Arbeitsverhältnisse
Am Abend des 19. Oktober 2016 befassten sich mehr als 100 Teilnehmende mit der Frage, wie sich sich die zukünftige Subjektfinanzierung auf die Arbeitsverhältnisse auswirkt.

Drei Kurzreferate von Claus Detreköy, Mandy Begenau und Dr. Kathrin Kummer führten in das Thema ein und zeigten offene Fragen auf. In der von Basil Weingartner moderierten Podiumsdiskussion wurden die Chancen und Risiken, die geltenden Rahmenbedingungen und absehbare Lücken kontrovers diskutiert. Wie die angestrebte Wahlfreiheit und Selbstbestimmung so umgesetzt werden kann, dass sowohl eine hohe Betreuungsqualität wie auch ein angemessener Schutz der Angestellten gewährleistet werden kann, wird noch weiter diskutiert und konkretisiert werden müssen.

Der Kanton Bern bereitet eine in der Schweiz neue und anspruchsvolle Grossreform vor. Mit der Subjektfinanzierung sollen neu erwachsene Menschen mit einer Behinderung stärker selber bestimmen können, ob und wie sie wohnen und arbeiten möchten: in ihrer Familie, in einer eigenen Wohnung, in einer Institution oder in neuen Lebensformen. Sie werden entsprechend ihrem standardisiert abgeklärten Betreuungsbedarf über ein Budget verfügen und die benötigten Betreuungsleistungen selbstbestimmter wählen können. Aktuell beteiligen sich knapp 100 Menschen mit einer Beeinträchtigung am Pilotprojekt, jährlich sollen mehr Menschen mehr Wahlfreiheit haben, bis die Reform ganz umgesetzt ist.

AvenirSocial Sektion Bern unterstützt die mit der Subjektfinanzierung angestrebten Ziele der Stärkung der Selbstbestimmung, Gleichstellung und Wahlfreiheit.

Okt. 16: Initiative zu Prämienverbilligungen hat Hauptziel erreicht
Das Initiativkomitee beschliesst den Rückzug der Volksinitiative «Ja zu den bewährten Prämienverbilligungen - Für Familien und Mittelstand». AvenirSocial Sektion Bern hat die Initiative aktiv unterstützt und war im Komitee vertreten. Die Medienmitteilung des Initiativkomitees:

Die im November 2015 eingereichte Volksinitiative «Ja zu den bewährten Prämienverbilligungen - Für Familien und Mittelstand» und die erfolgreiche Referendumsabstimmung vom 28.2.2016 haben ihr Hauptziel erreicht. Mit der neuen Verordnung erhalten die Betroffenen seit dem 1. Juli 2016 wieder die gleichen, gar besseren Prämienverbilligungen, als vor den Sparmassnahmen. Das Initiativekomitee freut sich über diesen grossen Erfolg der Initiative und hat beschlossen, die Initiative zurückzuziehen.

Die Initiative «Ja zu den bewährten Prämienverbilligungen - Für Familien und Mittelstand» wurde am 2. November 2015 mit 18'143 gültigen Unterschriften eingereicht. Die Initiative verlangt in einem ausformulierten Gesetzesvorschlag einerseits den Erhalt der Prämienverbilligungen bezüglich Höhe und Umfang, andererseits fordert sie eine Anpassung der Prämienhöhe an die reale Kostenentwicklung der Krankenkassenprämien. In der Referendumsabstimmung am 28. Februar 2016 hat die Stimmbevölkerung sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der Abbau bei den Prämienverbilligungen nicht akzeptiert wird und hat der Abbaupolitik des Grossen Rates die rote Karte gezeigt.

Als Antwort auf die gewonnene Volksabstimmung hat der Regierungsrat auf Verordnungsstufe Höhe und Umfang der Prämienverbilligungen per 1. Juli 2016 wieder angepasst und die einzelnen Beiträge erhöht. Damit sind der Umfang und die Höhe der Prämienverbilligungen wieder auf dem Stand wie vor den Sparmassnahmen. Rund 40'000 Personen, welche ihre Prämienverbilligungen verloren hatten, erhalten diese neuerdings wieder. Mit der Anpassung der Verordnung per 1. Juli 2016 bei der Höhe der einzelnen Prämienverbilligungen gab es zudem eine leichte Verbesserung. Dies ist vor dem Hintergrund der steigenden Prämien sachgerecht und notwendig. So werden zum heutigen Zeitpunkt die einzelnen Prämien mehr verbilligt werden als vor dem Sparpaket. Das Doppelpack von Referendum und Initiative hat damit sein Hauptziel erreicht. Mit der neuen Verordnung vom Juli 2016 wurde die ausformulierte Gesetzesinitiative quasi überholt. Das Initiativkomitee hat an der Sitzung vom 20. Oktober 2016 den politischen Erfolg von Referendum und Initiative gewürdigt und beschlossen die Initiative zurückzuziehen. Das Initiativkomitee wird die notwendigen Schritte für den formellen Rücktritt der Initiative an die Hand nehmen.

Die im Komitee zusammengeschlossenen Parteien und Verbände werden mit Argusaugen darauf achten, das im Bereich der Prämienverbilligungen nicht wieder gekürzt wird und der Wille der Bevölkerung gegen die schwere Prämienlast im Sinne von "Nein zum Abbau der Prämienverbilligungen" respektiert wird. Nötigenfalls werden sich die Organisationen und Parteien auch wieder mit allen verfügbaren Instrumenten gegen einen erneuten Abbau bei den sozialpolitisch wichtigen Prämienverbilligungen zur Wehr setzen und sich weiterhin für ein starkes und ausgebautes System der Prämienverbilligungen einsetzen, welches die schwere Prämienlast für den Menschen mit mittleren und kleineren Einkommen ausgleicht.

Sept. 16: Vernehmlassungsantwort zum kantonalen Bürgerrechtsgesetz
Die kantonalen Bestimmungen zur Einbürgerung sollen auf Gesetzesebene neu definiert und Bundesrecht soll umgesetzt werden.

Neu sind die Anforderungen an eine erfolgreiche Integration sowohl auf Bundesebene wie auch auf Kantonsebene viel detaillierter, präziser und differenzierter umschrieben und definiert. Grundsätzlich begrüssen wir eine klare, unmissverständliche Definition von Anforderungen und Begriffen, damit eine Gleichbehandlung möglich ist.

Hingegen erachten wir es als unsere Pflicht, auf kontraproduktive soziale Auswirkungen der neu deutlich höher gesteckten Anforderungen an den formellen Aufenthaltsstatus und an die wirtschaftliche Selbständigkeit aufmerksam zu machen. Die längerfristige Integration von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten kann hierdurch gefährdet werden.

Insbesondere bei hier aufgewachsenen Kindern und Jugendlichen mit geringen formellen Bildungschancen besteht ein hohes Risiko, dass sie sich Parallelgesellschaften oder kriminellen Kreisen anschliessen, um soziale Anerkennung zu erreichen, weil ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe an unserer Gesellschaft verunmöglicht wird.

Die höher gesteckten Anforderungen betreffen ebenfalls zahlreiche Menschen, welche in der Vergangenheit in der Schweiz Schutz suchten, aber wegen ihrem provisorischen Aufenthaltsstatus über Jahre hinweg nur wenige Möglichkeiten hatten, die Sprache systematisch zu lernen, die Lebensverhältnisse kennen zu lernen und eine formelle berufliche Qualifikation zu erwerben.

Die seit dem 11. Dezember 2013 geltende Verfassungsbestimmung, dass nicht eingebürgert wird, wer Sozialhilfe bezieht oder bezogene Leistungen nicht vollumfänglich zurückbezahlt hat, erachten wir als sehr problematisch und unverhältnismässig. Arbeit in Tieflohnanstellungen gibt Menschen, welche über mehrere Jahre auf Sozialhilfe angewiesen waren, sehr geringe Chancen, die erhaltene Sozialhilfe zurückzahlen zu können. Sie leben oft ihr ganzes Leben weiterhin an der Armutsschwelle.

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Vernehmlassungsantwort zum kantonalen Bürgerrechtsgesetz - document, 0.12 MB)   Vernehmlassungsantwort zum kantonalen Bürgerrechtsgesetz (0.12 MB)
Aug. 16: AvenirSocial Sektion Bern lehnt die Teilrevision des Sozialhilfegesetzes ab
Die Vorlage lehnen wir aus ethischen, fachlichen und praktischen Gründen ab. Kernelement ist eine 15%-Kürzung des Grundbedarfs bei Eintritt in die Sozialhilfe.
Von der am Runden Tisch unter Grossratsparteien ausgehandelten Sozialhilfegesetz-Revision sind keine positiven Wirkungen gemäss Art. 1 des Sozialhilfegesetzes (SHG) zu erwarten. Die Vorlage greift bis in operative Detailabläufe ein und würde wirksame Interventionen verunmöglichen.

Unsere Konsultationsantwort und unsere Medienmitteilung:
Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (2016 08 26 Konsultationsantwort SHG AvenirSocial Sektion Bern - document, 61 KB)   2016 08 26 Konsultationsantwort SHG AvenirSocial Sektion Bern (61 KB)
Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (2016 08 26 Medienmitteilung zur Konsultationsantwort SHG - document, 17 KB)   2016 08 26 Medienmitteilung zur Konsultationsantwort SHG (17 KB)
Juli 16: Stellungnahmen zu den unausgereiften SHV- und ZAV-Revisionen
Die Revisionen der SHV und ZAV betreffen die tägliche Arbeit der Sozialdienste und schlagen in zwei Bereichen grundlegende Änderungen vor: in den Anforderungen an die Qualifikation des fallführendes Fachpersonals und in der Bemessung der Besoldungskosten.

Danke allen Sozialarbeitenden für eure engagierte Teilnahme an der Diskussion im "Hauptsitz" und für euer grosses Interesse an den Verordnungsrevisionen. Die Konsultationsfrist ging am 7.7.16 zu Ende.

Der Berufsverband AvenirSocial Sektion Bern erachtet die Verordnungsrevisionen als unausgereift.

1) Die vorgeschlagene Neudefinition der Anforderungen an die berufliche Qualifikation an fallführendes Fachpersonal ist sehr offen formuliert (SHV 3b, 2). Wir erkennen keine sachlich begründete Notwendigkeit für eine solche generelle Lockerung der Qualifikationsanforderungen an das fallführende Fachpersonal. Rekrutierungsprobleme lassen sich nicht lösen, indem die Anforderungen an die fachliche Qualifikation in Frage gestellt werden – im Gegenteil. Mehr zu Rekrutierung und Fluktuation.

2) Die vorgeschlagene Neufinanzierung der Besoldungskosten über Fallpauschalen könnte theoretisch als neue Konstruktion eine prüfenswerte Option darstellen. Das vorgeschlagene System überzeugt jedoch nicht. Es ist keine klare Verbesserung gegenüber dem bisherigen System erkennbar. Die Berechnungen in der Sozialhilfe basieren zudem auf einer zu hoch angesetzten Fallbelastung von 100 Fällen auf 100 Stellenprozente. Die Bemessung des Zeitaufwands der Aufgaben gemäss ZAV wirft ebenfalls viele Fragen auf.
Es ist absehbar, dass die definierten Fallpauschalen für grundlegende Aufgaben nicht ausreichen oder wichtige Aufgaben fehlen. Beispielsweise fehlt die Finanzierung von präventiver Beratung im Kindes- und Erwachsenenschutz, welche nicht selten einen zeitlichen Aufwand analog einer Beistandschaft erfordern. Auch andere Aufgaben sind in der ZAV nicht berücksichtigt.
Die Streichung der Pauschalen für die Löhne von Praktikantinnen und Praktikanten, bzw. ihre Subsummierung in die Fallpauschalen erachten wir als kontraproduktiv, da dies rasch dazu führen kann, dass auf die zeitintensive Ausbildung von Praktikantinnen und Praktikanten verzichtet wird.

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April 16: Reduzierte Sozialhilfe-Richtlinien schaffen neue Notlagen
Ab dem 1. Mai 2016 gelten im Kanton Bern die revidierten SKOS-Richtlinien.

Die tieferen Sozialhilfe-Ansätze treffen primär Menschen, welche ihre Lebenssituation selber kaum verändern können. Zu tiefe Ansätze für die soziale Existenzsicherung schaffen neue Notlagen. Die soziale Existenzsicherung vieler Menschen kann nicht mehr gewährleistet werden. Kinder, Junge Erwachsene und Menschen mit chronischen gesundheitlichen Problemen sind besonders von der Änderung betroffen.

Der Berufsverband AvenirSocial Sektion Bern lehnt die revidierten SKOS-Richtlinien ab, weil sie neue soziale Notlagen schaffen werden. Dies erachten wir sowohl aus ethischen wie auch aus fachlichen Gründen als sehr problematisch. Die Kürzungen stehen im Widerspruch zu aktuellen fachlichen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Ursachen von und Auswegen aus der Armut.

Mehr in unserer Medienmitteilung:
Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Medienmitteilung zur Übernahme der neuen SKOS-Richtlinien - document, 17 KB)   Medienmitteilung zur Übernahme der neuen SKOS-Richtlinien (17 KB)
März 16: Sozialbericht: Hoher Handlungsbedarf bei der Bekämpfung von Armut
In der Märzsession wird der Grosse Rat den Sozialbericht des Kantons Bern behandeln.
Der Berufsverband AvenirSocial Sektion Bern sieht hohen Handlungsbedarf bei der Prävention und Bekämpfung von Armut und schlägt Massnahmen für eine rasche und wirksame Armutsprävention vor.

Armut führt zu sozialer Ausgrenzung und beeinträchtigt die Gesundheit. Die Armut hat im Kanton Bern seit 2001 zugenommen. Der Arbeitsmarkt ist kein Garant mehr für die Existenzsicherung vieler Menschen. Die bisherigen Massnahmen zur Armutsbekämpfung zeigen zu wenig Wirkung. Die oft eingeschränkten Ressourcen von Betroffenen sind mehr zu beachten.

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Unsere Medienmitteilung vom 11. März 2016 - document, 48 KB)   Unsere Medienmitteilung vom 11. März 2016 (48 KB)
Feb. 16: Vielen Dank! Abstimmungserfolg für mehr Gelder für Prämienverbilligungen
AvenirSocial Sektion Bern freut sich gemeinsam mit allen Komiteemitgliedern über das sehr klare doppelte Nein zum Abbau bei den Prämienverbilligungen. Wir danken allen Mitgliedern, die hierzu beigetragen haben.

Der klare Entscheid zeigt, wie wichtig das Instrument der Prämienverbilligungen für die Bernerinnen und Berner ist. Das Komitee fordert vom Regierungsrat und vom Grossen Rat nun rasch eine substantielle Erhöhung der Ausgaben für die Prämienverbilligungen. Dank der im November 2015 eingereichten Volksinitiative hat das Komitee einen weiteren Trumpf im Ärmel.

Feb. 16: Nein zur Übernahme der revidierten SKOS-Richtlinien im Kanton Bern
Per 1. Mai 2016 will der Regierungsrat die reduzierten SKOS-Richtlinien im Kanton Bern in Kraft setzen. Dazu ist eine Änderung der Sozialhilfeverordnung notwendig. Zum Entwurf dieser Änderung wurde AvenirSocial Sektion Bern konsultiert und hat eine Stellungnahme verfasst.

AvenirSocial Sektion Bern lehnt die Übernahme der revidierten SKOS-Richtlinien im Kanton Bern ab und beantragt, die SKOS-Richtlinien in der Fassung vom April 2005 mit Ergänzungen bis 12/14 inkl. Teuerungsanpassung per 1.1.2014 weiterhin verbindlich zu erklären.

Die neuen Richtlinien würden neue soziale Notlagen schaffen. Deshalb lehnen wir sie ab. Gemäss Berufskodex Art. 5.5 hat die Soziale Arbeit soziale Notlagen von Menschen und Gruppen zu verhindern, zu beseitigen oder zu lindern. Wir wissen, dass es sich für unsere Gesellschaft als Ganzes auszahlt, wenn die Sozialhilfe ein soziales Existenzminimum bezahlen kann.

Die neuen Richtlinien beinhalten substanzielle Reduktionen der Existenzsicherung

1) die Abschaffung der Minimalen Integrationszulage MIZ
2) die Reduktion des Grundbedarfs für Haushalten mit mehr als 6 Personen
3) die Reduktion des Grundbedarfs für Junge Erwachsene mit begründetem eigenen Haushalt

Die Risiken und Folgekosten von mehr Obdachlosigkeit, Kriminalität, Ghettoisierung, Verschuldung, sozialer Isolation und chronischer Krankheit dürfen nicht unterschätzt werden.

Alternativen zur Förderung von Kooperation und Verhaltensänderung

Sanktionen sind geeignet um, einen Verstoss gegen rechtliche Normen zu bestrafen: z.B. bei Verstössen gegen die Voraussetzungen eines Leistungsbezugs. Ungeeignet sind Sanktionen hingegen, um erwünschte Verhaltensänderungen zu erzwingen oder grundlegende Verhaltensmuster zu verändern. Stärker kürzen wirkt nicht stärker. Häufig führen Sanktionen zu weniger anstatt mehr Kooperation.
Die Berufspraxis der Sozialen Arbeit kennt andere, wirksame Methoden sich mit nicht kooperativen Klienten auseinanderzusetzen. Eine typische Vorgehensweise haben wir in unserer Stellungnahme zwecks Illustration beschrieben. Es gibt zahlreiche weitere, wirksame Vorgehensweisen.

Ausführliche Argumente sind in unserer Stellungnahme zu finden.

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Stellungnahme zur Übernahme der revidierten SKOS-Richtlinien - document, 61 KB)   Stellungnahme zur Übernahme der revidierten SKOS-Richtlinien (61 KB)
Jan. 16: Nein zur Durchsetzungsinitiative am 28. Februar 2016!
AvenirSocial hat sich der Koalition der NGO angeschlosssen, die sich gegen die Durchsetzungsinitiative einsetzt. Diese Koalition wird eine aktive Kampagne gegen die Volksinitiative der SVP führen.

Die Durchsetzungsinitiative trifft uns alle: Rund ein Viertel der Menschen in der Schweiz sind als Ausländerinnen und Ausländer direkt betroffen. Für sie würde die Initiative bedeu-ten, dass sie auch als Secondos und Secondas und unabhängig davon, wie gut sie inte-griert sind oder wie lange sie schon in der Schweiz leben, von heute auf morgen aufgrund des geringsten Vergehens automatisch und ohne Berücksichtigung der persönlichen Um-stände ausgeschafft würden. Sie verlangt zudem die Ausschaffung im Wiederholungsfall bei rund 40 anderen mehr oder weniger schwerwiegenden Delikten (von der missbräuchlichen Verwendung einer Kreditkarte bis zu sexuellen Handlungen mit Kindern).

Die Durchsetzungsinitiative ist nicht vereinbar mit der Demokratie, den Grundrechten und dem Rechtsstaat. Sie ist zutiefst diskriminierend und verankert die doppelte Bestrafung in der Verfassung. Die Durchsetzungsinitiative führt zu systematischen Verletzungen der EMRK und riskiert damit, dass die Schweiz aus der Konvention und aus dem Europarat austreten muss.

Aus all diesen Gründen ruft AvenirSocial dazu auf, am 28. Februar 2016 ein Nein gegen diese gefährliche Initiative in die Urne zu legen!

Jan. 16: 2x NEIN zum Abbau der Prämienverbilligungen am 28. Februar 2016
Mit einem doppelten Nein am 28. Februar können wir sicherstellen, dass die gesetzlichen Grundlagen wieder korrigiert werden.

1) Um die Prämienlast erträglich zu halten, sah das Gesetz bisher vor, dass mindestens das einkommenschwächste Viertel der Bevölkerung eine Prämienverbilligung erhalten muss. Weil der Grosse Rat dieses Sozialziel gestrichen hat, könnten künftig sowohl die Zahl als auch die Höhe der Prämienverbilligungen beliebig reduziert werden. Gegen diesen Freipass wehren wir uns.

2) Der Kanton Bern ist schweizweit der Kanton mit der höchsten (!) Belastung durch Krankenkassenprämien. Hier verschlingen die Prämien 17 Prozent des verfügbaren Einkommens eines Haushalts. Umso wichtiger ist der Erhalt der bewährten, fairen Prämienverbilligungen.

3) Der Abbau bei den Prämienverbilligungen trifft in erster Linie Personen des unteren Mittelstands und Familien. Damit droht, dass wirtschaftlich eigenständige Menschen in die Sozialhilfe gedrängt werden.

Hier können Banner heruntergeladen sowie Flyer und Plakate bestellt werden.
Wer bei Verteilaktionen am 8. / 16. / 18. / 23. Februar mithelfen will oder anders aktiv in der Abstimmungskampagen mitwirken möchte, kann sich hier melden.

Jan. 16: Chancen und Risiken der Subjektfinanzierung für Menschen mit Behinderung
Ab dem 1. Januar 2016 werden rund 80 Menschen mit Behinderung, die heute privat oder in einer Institution wohnen, mit dem neuen System wohnen und arbeiten. Das ist ein Meilenstein in der Umsetzung des Behindertenkonzepts und auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung und Eigenverantwortung für Menschen mit Behinderung. Bereits läuft das Anmeldeverfahren für rund 500 weitere Plätze im nächsten Jahr. Ab 2017 sollen dann weitere 1000 Personen dazu kommen.
In Zukunft soll primär der individuelle Unterstützungsbedarf von erwachsenen Menschen mit einer Behinderung und erst in zweiter Linie die leistungserbringende Institution finanziert werden. Damit setzt der Kanton Bern sein Behindertenkonzept um.

Zu unserer Stellungnahme zum Behindertenbericht 2016.

AvenirSocial Sektion Bern unterstützt die mit der Subjektfinanzierung angestrebten Ziele der Stärkung der Selbstbestimmung, Gleichstellung und Wahlfreiheit. Nach wie vor erachten wir die Vorgabe der Kostenneutralität als eine höchst problematische Rahmenbedingung, welche dazu führen kann, dass die angestrebten Ziele qualitativ nicht erfüllbar werden können. Verstärkt wird dieses Risiko dadurch, dass die Anforderungen an Qualität und Aufsicht der zu erbringenden Leistungen eindeutig ungenügend definiert sind.

Weiter besteht das absehbare, grosse Risiko, dass sich die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen wesentlich verschlechtern werden. Damit dies nicht Realität wird, braucht es hierzu verbindliche kantonale Vorgaben.

Wer sich hierfür gerne aktiv im Berufsverband mit engagieren möchte, ist herzlich willkommen.


Dez. 15: Stärkung der Interdisziplinarität in den KESB-Präsidien neu im Gesetz verankert
Voraussichtlich per 1. April 2016 soll das teilrevidierte Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz KESG in Kraft treten. Der Grosse Rat hat am 25.11.15 die Gesetzesänderungen verabschiedet.

Neu können Personen mit einem Masterabschluss in den Disziplinen Soziale Arbeit, Pädagogik, Psychologie oder Medizin oder einer vergleichbaren Ausbildung vom Regierungsrat als Präsidentin oder Präsident einer KESB ernannt werden, wenn sichergestellt ist, dass ein/e Juristin mit Abschluss gemäss Art. 8,1 im Spruchkörper vertreten ist.

AvenirSocial Sektion Bern hat sich in der Vernehmlassung und anlässlich der Anhörung in der vorberatenden Kommission erfolgreich für die Öffnung der Präsidien engagiert.

Siehe August 15 und März 15 (nach unten scrollen) für Informationen zu unserem Engagement.
Hier ist sind die geänderten Gesetzespassagen zu finden. Ab Seite 10.

Nov. 15: Was ist der Wert des sozialen Existenzminimums?
Am 1.12.15 hätte die grossrätliche Gesundheits- und Sozialkommission (GSoK) die im Juni 2014 mit 9‘308 Unterschriften eingereichte Petition für ein soziales Existenzminimum gemeinsam mit dem SHG beraten wollen.

Im November sandten wir der Kommission deshalb im Namen des Petitionskomitees einen Brief zum Wert des sozialen Existenzminimums. Da die Beratung des SHG verschoben wurde, wird auch die Petition erst später (vermutlich 2016) gemeinsam mit dem SHG in der Kommission behandelt werden.

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Was ist der Wert des sozialen Existenzminimums? - document, 28 KB)   Was ist der Wert des sozialen Existenzminimums? (28 KB)
In unserem Archiv 2015 finden Sie:
  • Dez. 15: Stärkung der Interdisziplinarität in den KESB-Präsidien neu im Gesetz verankert
  • Nov. 15: Was ist der Wert des sozialen Existenzminimums?
  • Nov. 15: Ursachen von hoher Fluktuation kennen und beheben statt Qualifikationsanforderungen in Frage stellen
  • Nov. 15: Einladung zum Beitritt ins Abstimmungskomitee: Nein zum Abbau bei den Prämienverbilligungen
  • Nov. 15: Initiative für bewährte Prämienverbilligungen eingereicht
  • Aug. 15: Stellungnahme zum kantonalen Behindertenbericht 2016
  • Aug. 15: Plädoyer für die Stärkung der Interdisziplinarität in den KESB-Präsidien anlässlich der Anhörung der GSoK
  • Juni 15: AvenirSocial Sektion Bern lehnt Entwurf zur SHG-Teilrevision ab
  • Juni 15: Fachveranstaltung zur brisanten Teilrevision des Sozialhilfegesetzes
  • Juni 15: Referendum "Nein zum Abbau bei den Prämienverbilligungen" eingereicht
  • Mai 15: Austauschtreffen zur Vernehmlassung Sozialhilfegesetz
  • Mai 15: Attraktive Fachtagung Tannenhof
  • April 15: Jahresbericht 2014
  • März 15: Initiative gegen den Abbau der Prämienverbilligungen bitte unterschreiben
  • März 15: Auswirkungen der Kürzungen auf das Budget betroffener Menschen
  • März 15: Interdisziplinarität und Fachlichkeit stärken: Stellungnahme zur KESG-Revision
  • Feb. 15: Referendum gegen den Abbau der Prämienverbilligungen bitte unterschreiben: Brückengeländer wieder montieren, bevor es zu spät ist
  • Jan. 15: Brief an ständerätliche Kommission betreffend Einbürgerungsinitiative des Kantons Bern

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