AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Kolumne: von aussen betrachtet (Freiwilligenarbeit)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
...aber beim Thema Freiwilligenarbeit sind alle Laien Profis. Und tatsächlich gebe ich seit kurzem ehrenamtlich Deutsch für Flüchtlinge. Auf dass sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern, um hoffentlich bald selbst ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können und nicht mehr nur unbezahlte oder gar illegale Arbeit verrichten zu müssen. Wenn unsereiner morgens zur Arbeit geht, dann in der Regel, weil wir vertraglich verpflichtet sind, weil wir dafür Lohn bekommen, weil wir für unser tägliches Brot entgegen anderslautenden Gebete eben doch selber sorgen müssen. Ohne Einkommen können wir nicht auskommen. Aber es ist klar, nicht jeder – und vor allem nicht jede! –, die Arbeit verrichtet, macht dies, weil sie muss. Nicht jede, die Dienst tut, tut dies nur um des Geldes willen. Und nicht jede, welche keinen Lohn bekommt, ist untätig. In der Schweiz setzt sich etwa jeder dritte Einwohner unentgeltlich für Bildungs-, Jugend- oder Seniorenarbeit ein, engagiert sich ehrenamtlich im sozialen, kirchlichen oder kulturellen Bereich oder stellt sich freiwillig in den Dienst des Tier- oder Naturschutzes. Ob als Wahlhelfer oder Walschützer, Gemeinnützigkeit kennt keine Grenzen. Jedes Jahr kommen hierzulande rund 700 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit zusammen – unbezahlbar! Ehrenamt heisst: Der gute Zweck heiligt die nicht vorhandenen Geldmittel. Im Zeitalter von Mindestlohnforderungen auf der einen und Bonusexzessen auf der anderen Seite können wir uns mit dieser Einkommensschere von solchen Menschen eine Scheibe abschneiden. Für Freiwillige besteht der Mindestlohn schlicht aus der Befriedigung, etwas Gutes zu tun, weil es einem am Herzen liegt. Stellen wir uns das mal auf Stufe Millionär vor: Die UBS stellt ihr Investment-Banking auf Stufe Ehrenamt! Leider ist das völlig unrealistisch; gewinnorientierte Vermögensverwaltung, ohne dabei Geld zu verdienen, macht so wenig Sinn wie Kochen ohne Essen. Eher ist Folgendes denkbar: Roger Federer und Brad Pitt spielen fortan freiwillig, d. h. nur noch aus purem Spass an der Freud, für Gottes Lohn und zum Wohlgefallen der Menschen. Was mich betrifft, halte ich eine Mischung zwischen bezahlter und freiwilliger Arbeit für ideal. Diese Kolumne zum Beispiel schreibe ich nicht gratis – aber freiwillig.