AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Kolumne: von aussen betrachtet (Sozialpolitik)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.

Ich bin nicht vom Fach...
...meine Damen und Herren, aber so viel ist klar: Sozialpolitik heisst – gerade in einem Wahljahr – primär einmal, gewählt zu werden! Denn Sozialpolitik kann nur stattfinden, wenn die Sozialpolitikerin oder der Sozialpolitiker, welche oder welcher Sozialpolitik machen will, vom Volk den entsprechenden Auftrag erhält. Die Wahl, geschätzte Wählerinnen und Wähler, ist darum Grundvoraussetzung für die Arbeit eines jeden Sozialpolitikers. Lassen Sie es mich so sagen: Nur wer selbst gewonnen hat, kann sich für Verlierer einsetzen. Denn wer bei einer Wahl nicht gewinnt, wird selbst zum Verlierer. Führen wir uns, verehrtes Volk, die unglücklichen Wahlverlierer, die er- barmungswürdigen Opfer von Wahlniederlagen einmal vor Augen: die Schmach und Schande des Nicht-gewählt-Werdens; die Peinlichkeit, immer voller Zuversicht und Überzeugung eine zukunftsgerichtete Sozialpolitik propagiert zu haben, um jetzt abgeschlagen an letzter Stelle zu liegen. Oder all die Standaktionen im Regen, all die absolvierten Wahlveranstaltungen, all das Grinsen und Händeschütteln, um am Ende mit 50 Stimmen zu wenig in der Versenkung zu verschwinden. Alles umsonst. Statt Amt und Würden bleiben nur Spott und Hohn. Meine Damen und Herren, es geht hier nicht um Macht oder Ruhm, schon gar nicht um Geld, nein, es geht um das nackte politische Überleben. Der nicht gewählte Kandidat ist wie der Bräutigam vor dem Traualtar, wenn seine Zukünftige «Nein» sagt ... Er steht vor dem Nichts. Wo vorher mediale Öffentlichkeit war, tut sich jetzt ein Loch auf. Der designierte Sozialpolitiker, welcher sich für die Schwachen stark gemacht hätte, droht jetzt selbst zum So- zialfall zu werden. Und wir wissen es, verehrte Schweizerinnen und Schweizer, ein Sozialstaat ist ein Auffangnetz und kein Tuch; ein anpassungsfähiger Politiker, welcher nicht die geforderte Grösse hat und sich auch nicht querstellt, wird zwangsläufig durch alle Maschen fallen. Mit anderen Worten, liebe Anwesenden, und ich komme damit zum Schluss: Eine Stimmenmehrheit ist für uns volkabhängige Kandidatinnen und Kandidaten nicht weniger und nicht mehr als das politische Existenzminimum! Um dieses zu gewährleisten, bitte ich Sie, geschätzte Wahlberechtigte, um Ihre Stimme. Machen Sie Sozialpolitik möglich: Seien Sie sozial, wählen Sie mich, und ich werde für Sie Politik machen! Ich danke Ihnen dafür.»