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Kolumne: von aussen betrachtet (Frühe Förderung)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
... deshalb ist Frühförderung, Frühe Förderung und frühkindliche Bildung für mich einerlei. Dass ihr Fachleute zwischen Frühförderung und Frühe Förderung differenziert, da staune sogar ich (und wer meine Kolumne regelmässig liest, weiss, dass ich ein ziemlicher Wortklauber bin)! Bei solch sprachlicher Spitzfindigkeit kann selbst ich nicht mithalten, ganz offenbar fehlt mir da die entsprechende Frühbildung ... Zum Thema Förderung von Kindern sollte ich aber als zweifacher Vater etwas zu berichten haben. Also, ich fördere meine Kinder grundsätzlich bei den Entwicklungsschritten, bei denen sie gerade sind. Aus Sicht der Frühförderung (oder Frühen Förderung oder frühkindli- chen Bildung) ist das aber wahrscheinlich schon zu spät. Frühförderung meint ja Früher- förderung. Frühförderung ist das, was man bis anhin eigentlich noch nicht bzw. erst später förderte, aber aufgrund neuer Erkenntnisse der Pädagogik oder Prävention neu früher fördert. Ich aber höre bei Frühförderung immer Zufrüh- förderung. Ich halte es eher mit dem schönen Spruch «Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht». Meiner Meinung nach sollte man im Kindergarten giessen, aber noch nicht düngen. Ebenso halt ich es nicht für förderlich, wenn man seine 4-jährige Tochter in den Gei- genunterricht schickt, wo sie eigentlich noch gar nicht wirklich will. Förderung unterscheidet sich von Forderung zwar nur in zwei Punkten, aber in zwei wesentlichen. Und seien wir ehrlich, es sind meist weniger pädagogische Überlegungen, die hinter der Frühförderung stehen, als vielmehr die wirtschaftlichen Anforderun- gen der heutigen Zeit; mit dem Kindswohl oder dem tatsächlichen Lerneffekt hat das oft wenig zu tun (Beispiel: Frühfranzösisch). Und wer weiss, was die Frühförderung für Spätfolgen zeitigen wird ... Prävention kann ich besser nachvollziehen. Es geht darum, früh genug Massnahmen zu ergreifen, damit es später nicht zu Fehlentwick- lungen oder Schäden kommt, die wiederum mit Kosten verbunden sind (Beispiel: Zähneputzen). Prävention ist das Pendant zu Frühförderung, Prävention ist Frühverhinderung. Prävention in der Sozialen Arbeit bedeutet im Grunde die Soziale Arbeit unnötig machen. Ich fasse anhand eines konkreten Beispiels zusammen: Frühförderung ist, wenn du deinem Kind beibringst, wie es sich selber wickeln kann. Wenn es sich dann aber vor Ekel erbrechen muss und man vermeiden will, dass es sich das Kleidchen vollsaut, dann ist Prävention angesagt: rechtzeitig vorbeugen!