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Kolumne: von aussen betrachtet (Verhältnis Mensch und Tier)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
...aber über das Verhältnis Mensch und Tier hat jeder etwas zu berichten. Ich führe eine Art Tagebuch über das Aufwachsen meiner zwei Töchter, da lese ich in einem frühen Eintrag: «[...] rührend, wenn dich so ein kleines, hilfloses Tierchen auf einmal an- strahlt!» Ich bezeichnete meine Kinder im Säuglingsalter als Würmchen, als Menschentierchen, und als ihre stimmlichen, motorischen und beisserischen Fähigkeiten zunahmen als Grunz-, Greif- und Nagetiere. Nun sind sie wesentlich älter, haben längst ein Selbst- bewusstsein und einen Charakter und wissen, was sie wollen: nämlich ein Haustier. Alle Kinder wollen Haustiere. Ich hab da allerdings eine ziemlich ablehnende Haltung. Erstens wohnen wir in einer kleinen, wenig tiergerechten Stadtwohnung. Und zweitens weiss ich aus eigener Erfahrung, dass die anfängliche Freude und Fürsorge für ein Haustier sich sehr schnell in alltägliche Last und Pflicht verwandeln kann. Die zwei Kanarienvögel, die ich und meine Schwester als Kinder bekamen, vegetierten irgendwann in ihrem Käfig im Keller dahin wie ausrangierte Spielsachen. Und das tägliche Spaziergang-Ämtli mit unserem Hund wurde mir bald zur lästigen Zwangsaufgabe, sodass ich nur noch pro forma und so kurz wie möglich mit ihm rausging (er riss dafür regelmässig aus und streunte in der Gegend herum). Dabei wollte ich als Bub Tierforscher werden und auf Safari gehen. Ich war ein scheuer Junge und hatte das Gefühl, zu Tieren einen besseren Draht zu haben als zu meinen Artge- nossen. Wahrscheinlich geht es allen Kindern so; je jünger, also je näher dem natürlichen, wilden, kreatürlichen Zustand des (Säuge-)Tieres, desto mehr lieben sie Tiere und wünschen sich nichts so sehnlich wie ein tierisches Geschwis- terchen. Bei mir ist dieses Gefühl längst verflogen. Ich kämpfe regelmässig mit meinem inneren Schweinehund, kriege manchmal Vögel, aber sonst bin ich Mensch durch und durch und möchte kein Tier im Haus. Und ich hab ja schon zwei... Kinder. Die sind mir schon Aufgabe und Freude genug. Mit ihnen würd ich übrigens liebend gern mehr spazieren gehen. Wenn sie nur etwas lauffreudiger wären ...