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Kolumne: von aussen betrachtet (Soziokulturelle Animation)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
... aber was mir bei «Soziokulturelle Animation» in den Sinn kommt, sind ihre Vertreterinnen und Vertreter. Ich mag sie, diese aufgestellten, (hyper)aktiven und äusserst kommunikativen junggebliebenen Menschen, die dich fragen, ob sie dir helfen können, bevor du Hoi sagen kannst. Meist haben sie ihre Ausbildung gerade erst abgeschlossen und sind voller Motivation, Dinge anzupacken, Projekte auf die Beine zu stellen und Menschen zusammenzuführen. Soziokulturelle Animatorinnen und Animatoren haben keine Vorurteile, für sie sind alle Menschen gleich; sie wollen helfen, zeigen, leiten, anregen und erklären, wo es nötig ist. Häufig anzutreffen ist diese Spezies in GZs. Für Nichtzürcher – denn ich glaube, diese Gemeinschaftszentren gibts nur in Zürich: Das sind städtische Einrichtungen für die Quartierbevölkerung mit einem vielfältigen Angebot, das vom ElKi-Malen bis zur Tauschbörse, vom Spielplatz bis zum Jugendbandraum reicht, eine super Sache, die notabene nur dank linker Mehrheiten möglich ist. Da eilen sie dann in bester Laune herum und sozialisieren, kultivieren und animieren, was das Zeug hält. Und ich frage mich: Woher nehmen diese Menschen ihre Energie und Motivation?! Eignet man sich das in der Ausbildung an? Oder wird man zu dieser Ausbildung nur zugelassen, wenn man schon über eine sozusagen sozio- kulturellanimatorische Natur verfügt? Ich vermute, es braucht schon ein gewisses Sen- dungsbewusstsein, um die nervenaufreibende Animation von Menschen verschiedenster Altersgruppen, unterschiedlichster geografischer und sozialer Herkunft zu bewerkstelligen, um zwischen Individuen mit gegensätzlichen Bedürfnissen und Temperamenten zu vermitteln; wer schon mal die Aufsicht über eine Hüpfburg hatte, weiss, was ich meine. Was ich hier beschreibe, sind vielleicht alles Vorurteile und Klischees. Aber ich meine es kei- nesfalls negativ. Stellen wir uns vor, dergestalt orientierte Menschen würden Animatoren in Ferienclubs, oder sie verteilten als Zahnbürste verkleidet auf der Strasse Gratisprodukte, oder sie würden sich als Nationalratskandidaten auf die Bürger stürzen – da ist mir die Soziokulturelle Animation tausendmal lieber.