AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Kolumne: von aussen betrachtet (Kooperationen in der Sozialen Arbeit)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
... und deshalb sagt mir Kooperation in der Sozialen Arbeit we- nig. Es geht vermutlich um die Zusammenarbeit zwischen Sozial- arbeiterInnen und Klienten, zwischen Behörden und Erziehungs- verantwortlichen usw. Zusammenarbeit ist ja in allen Berufen und Bereichen des Lebens wichtig. Was mich betrifft, ich bin nicht der Typ, der mit anderen zusam- men arbeitet. Ich bin eher der Solist, ich bin ein selbstständig Er- werbender im strengen Sinn des Worts. (Ich bin noch nicht einmal sicher, ob man zusammen arbeitet zusammen schreibt. Ich schreibe vorrangig für den mündlichen Vortrag, weshalb die kor- rekte Ortographie eine untergeordnete Rolle spielt, meine Koope- ration mit den offiziellen Schreibregeln hält sich daher in Gren- zen). Ich war aber einmal angestellter Schauspieler. Auch im sozialen Gefüge eines Theaterensembles gilt es, verschiedene Charaktere, Befindlichkeiten, Ansichten und Geschmäcker in der Arbeit zusam- menzuführen, Ensemblearbeit heisst ja buchstäblich nichts ande- res als Zusammenarbeit. Ich fand das immer etwas anstrengend. Nicht weil ich es besser gewusst oder gemacht hätte, im Gegen- teil; ich hatte immer (zu) viel Respekt vor der Arbeit der Kollegen oder des Regisseurs. Und genau darin lag mein Problem: Zusam- menarbeit ist für mich immer ein Zweikampf zwischen Rücksicht nehmen und sich behaupten. Zusammen arbeiten heisst sich zu- sammennehmen, zum Wohl des Ganzen. Zwar resultiert aus Ko- operation oft ein Mehrwert; das Produkt der Zusammenarbeit ist grösser als die Summe seiner Einzelteile. Aber wenn zu viele oder zu unterschiedliche Einzelteile zusammenarbeiten, und die Kom- petenzverteilung unklar bleibt, kann Kooperation schnell zum Kol- laps oder zum Konkurs führen, denn zu viele Köche verderben be- kanntlich den Brei (siehe EU). Wenn ich mit meinen Kindern zu- sammen koche, ist das zwar sozial eine schöne Sache. Aber es dauert natürlich alles viel länger, und am Ende muss ich es doch selber machen. Voraussetzung für eine gelingende Zusammenarbeit scheint mir daher die Bereitschaft bei allen Beteiligten. Wenn man hingegen zusammenarbeiten muss, wirds schwierig ... Versteht mich nicht falsch: Zusammenarbeit ist richtig, wichtig und gut. Aber nicht unbedingt für jedermann. Aber vielleicht ist mit Kooperation in der Sozialen Arbeit auch ganz was anderes gemeint. Und ich bin wie gesagt nicht vom Fach und hab das Heft ja nicht vorher lesen können. Aber diese Ko- lumne hab ich im Fall ganz allein geschrieben!