AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Kolumne: von aussen betrachtet (Sprache)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
… aber hier bin ich es natürlich trotzdem! Ich weiss zwar nicht, welcher Aspekt der Sprache in diesem Schwerpunkt behandelt wird, aber vermutlich gehts um die soziale Seite der Sprache, wie z. B. die geschlechtergerechte Sprache. Wer meine Kolumne regelmässig liest, hat vielleicht bemerkt, dass ich der geschlechtergerechten Sprache nicht immer gerecht werde. Angesichts des knappen Platzes will ich diesen lieber mit Inhalt füllen als mit geschlechtergerechten Endungen (schon wieder 30 Zeichen weg!). Und man kann es auch übertreiben (man hat übrigens nichts mit Mann zu tun; man stammt vom Mittel- und Althochdeutschen und bedeutet irgendeiner, jeder beliebige [Mensch], egal ob Männchen oder Weibchen). Vor ein paar Jahren hat die Stadtverwaltung Bern einen Sprachleitfaden für das «Geschlechtergerechte Formulieren » herausgegeben. Für ihre Mitarbeiter – und selbstverständlich auch für ihre Mitarbeiterinnen – hat sie Wörter wie «Fussgängerstreifen » auf die schwarze Liste gesetzt, weil sie angeblich Frauen diskriminieren. Darum kommen so viele Frauen im Strassenverkehr ums Leben, weil sie überall, nur nicht auf dem machoiden Fussgängerstreifen, die Strasse überqueren. Man solle das unverdächtige Wort Zebrastreifen verwenden. Ebenso sollte man nicht mehr «Mannschaft», sondern «Team» sagen, nicht mehr «anwenderbezogen », sondern «praxisbezogen» schreiben, und es hiesse auch nicht mehr «Mitarbeitergespräch», sondern «Qualifikationsgespräch ». Die Bundeskanzlei ging sogar noch weiter. Statt Vater oder Mutter sollte man besser «der Elternteil» oder sogar «das Elter » schreiben. Liebe Verwaltungsmenschen, überlasst das Wörtererfinden bitte uns Wortkünstlern, Mann! Die Fachstelle, welche diese Liste ausgearbeitet hatte, gab zwar zu, es hätte wegen dem sexistischen Wort Fussgängerstreifen noch nie Reklamationen gegeben. Aber das ist ja wie bei den Burkas; die stören effektiv ja auch niemanden (ganz einfach, weil man nie welche sieht). Mit anderen Worten: Man bzw. frau kann Probleme auch erfinden. Der Begriff Zebrastreifen ist übrigens für ein Zebra auch erniedrigend, oder habt ihr schon mal ein Zebra mit gelben Streifen gesehen? Ich sage übrigens schon lange Zebrastreifen. Aber sollte es je einmal so weit kommen, dass man unter Strafandrohung Zebrastreifen und nur noch Zebrastreifen sagen darf, dann werde ich zum inneren Widerstand aufrufen: Sagt Zebrastreifen, aber denkt dabei ganz stark an ein männliches Zebra!