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Kolumne: von aussen betrachtet (Queere Diversitäten)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
... und sexuell auch nur in einer Kategorie aktiv. Und den Begriff Diversität kannte ich bislang eigentlich nur im Zusammenhang mit Bio, Biodiversität. Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der bio­ logischen Vielfalt gelten als wichtige Grundlagen für das mensch­ liche Wohlergehen und letztlich für den Fortbestand unserer Spezies. Dieser wird bei der queeren Diversität wohl weniger im Zentrum stehen, geht es bei ihr ja gerade auch um sexuelle Aus­ richtungen bzw. geschlechtliche Identitäten, bei denen Fortpflan­ zung keine Rolle spielt. Denn wie wir wissen oder gar schon er­ fahren haben, Sexualität kann auch Selbstzweck sein. Sie existiert in mannigfaltiger Ausführung: Männlein mit Weiblein, Weiblein mit Weiblein, Männlein mit Männlein, Männlein mit Männlein und/ oder Weiblein, Männer fühlen sich als Frauen, Frauen kleiden sich als Männer, Männer werden Frauen und manche wissen nicht ein­ mal, ob sie Mann oder Frau sind oder sein wollen oder vielleicht gleich beides. Auch wenn die nicht heterosexuellen Varianten klare Minderhei­ ten darstellen – es sind Spielarten der Natur, die auch ein Bischof Huonder nicht wegpredigen kann. Wozu auch? Schliesslich wird ein Basejumper oder ein grünliberaler Parlamentarier auch nicht geächtet, nur weil es Minderheiten sind. Mittlerweile kennt wohl jeder einigermassen offene Mensch einen Schwulen oder eine Lesbe. Und die bilden nur die Spitze des queeren Eisberges, die­ ser schwimmenden Insel im Ozean der sexuellen Vielfalt. Apropos, der Begriff lesbisch leitet sich ja von der griechischen Insel Lesbos ab. Die antike griechische Dichterin Sappho, die im 6. Jahrhundert v. Chr. in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen besungen hatte, lebte auf Lesbos. Und der historische Zu­ fall will es, dass ausgerechnet die Touristeninsel Lesbos heute Ziel von Flüchtlingen ist. Es sind asylsuchende Menschen, die zwar in grosser Zahl nach Europa kommen, aber gleichwohl – man ver­ gisst es leicht – eine klare Minderheit bleiben, genau so wie frauenliebende Frauen. Lesbische Liebe ist strenggenommen die reinste Form von Nächstenliebe, also die Zuneigung zu dem, was frau am nächsten ist, nämlich dem eigenen Geschlecht. Und ge­ nauso ist es auch ein Gebot der Nächstenliebe, diese Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen zu helfen, egal ob Weiblein oder Männ­ lein, ob Lesbos oder Schw...eiz.