AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Kolumne: von aussen betrachtet (Soziale Sicherung - öffentliche Sicherheit)

Kolumne von Simon Chen

Simon Chen


ist Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz.
Ich bin nicht vom Fach...
... aber eines ist sicher: Es wollen mehr Buben Polizist werden als Sozialarbeiter (ich meine Buben, die Sozialarbeiter werden wollen, nicht Sozialarbeiter, die Polizisten werden wollen). Und es dürfte nicht allzu schwer sein, seinen Bubentraum (ist Polizistin mittler- weile auch ein Mädchentraum?) wahr werden zu lassen. Denn die Polizei sucht offenbar Nachwuchs. Wenn man bei Google den Suchbegriff «Polizist» eingibt, kommt «Spannender Job in Zürich». Die Stadtpolizei Zürich wirbt mit dem Slogan «Job für alle mit blauweissem Herz. Jetzt bewerben!» Um Polizist oder Polizistin zu werden, müssen aber doch ein paar Vo- raussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel werden «bei politischen und religiösen Einstellungen sowie in der äusseren Erscheinung keine Extreme geduldet». Aber mit Extremen ist es wie mit dem Einsatz von Wasserwerfern – es ist immer eine Frage der Einschätzung. Ist ein Mitglied einer fundamentalistischen Freikirche, für den die Bibel über dem Ge- setz steht, geeignet für den Polizeiberuf? Und was ist bei einem buschigen Hipsterbart? Eine solche üppige Gesichtsbehaarung könnte man durchaus als extrem bezeichnen, andererseits gehö- ren Hipsters mittlerweile zum Stadtbild wie Parkuhren. Ein Voll- bart im Zusammenhang mit einem arabischen Äusseren hingegen ist ziemlich sicher ein Hinderungsgrund. Ein Muslim, der Frauen die Hand nicht geben will, kommt für den Polizeidienst auch nicht in Frage, denn wer Frauen nicht berühren will, kann auch keine festnehmen. Ebenso bei Kahlköpfen: Ein rasierter Schädel allein geht, aber nur wenn er nicht Ausdruck einer politischen Einstel- lung ist, denn eine solche Glatze würde nur Ausländer verhaften. «Sichtbare Tätowierungen sind nicht erlaubt und müssen mit Uni- formteilen oder ziviler Kleidung abgedeckt werden. Ausnahms- weise können kleine, unauffällige Tätowierungen erlaubt werden. Absolut verboten sind Tätowierungen, die vom Motiv und Inhalt her nicht mit dem Polizeiberuf vereinbar sind.» Ein No-Go wären also ein Stinkefinger und die Abkürzung «ACAB» (all cops are bas- tards) quer über der Stirn. Hier das Profil des perfekten Polizeiaspiranten: atheistisch, aber mit einem festen Glauben an das Gute im Menschen; apolitisch, aber umfassend interessiert; normaler Bartwuchs, aber rasiert; sportlich, aber mit Fingerspitzengefühl; bestimmt, aber einfühl- sam; selbstbewusst, aber kommunikativ; pünktlich, aber gedul- dig. Und auf dem Unterarm prangt eine kleine, unauffällige Täto- wierung: «ACASW» – all cops are social workers.