AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Preisverleihung 2015

Broschüre des Freiwilligenskollektivs riggi-asyl: "Menschen ein Stück Heimat bieten"
Die in Riggisberg seit dem Jahr 2014 gelebte Willkommenskultur für Flüchtlinge hat ein grosses Interesse an Beratung und Begleitung von Freiwilligen und Gemeinden ausgelöst.

Um ihre Erfahrungen in der freiwilligen Begleitung von Flüchtlingen einem breiteren Kreis von Interessierten zugänglich zu machen, hat riggi-asyl die Broschüre „Menschen ein Stück Heimat bieten“ erstellt, in der das Riggisberger Vorgehen beschrieben und illustriert wird.

Diese Broschüre kann zu einem Preis von Fr. 8.- bei riggi-asyl bestellt oder hier online gelesen werden.

Freiwilligenkollektiv Riggi-Asyl erhält Sozialpreis 2015
Am Freitag, 16. Oktober 2015 konnte AvenirSocial Sektion Bern den Sozialpreis 2015 an Riggi-Asyl überreichen und die Preisverleihung im Kirchgemeindehaus von Riggisberg gemeinsam mit Gästen, Freiwilligen und Bewohner/innen der Asylunterkunft feiern. Herzlichen Dank den Klarinettistinnen Martha Zehnder und Nadine Schmid für die musikalische Untermalung und Getrud Schwander und ihrem Team für die Vorbereitung des schmackhaften Apéros.

In Riggisberg setzen sich über 50 Freiwillige dafür ein, dass sich asylsuchende Menschen und Dorfbewohner/innen weniger fremd fühlen. Riggi-Asyl steht für den Mut und die Tatkraft, potenziellen und realen sozialen Konflikten mit ganz lebenspraktischen und bedürfnisgerechten Hilfs- und Verständigungsangeboten zu begegnen, diese Angebote in ständiger Rücksprache mit zahlreichen Beteiligten in Dorf, Gemeinde und Zentrum anzupassen und in Kooperation mit bestehenden Institutionen zu einem Netzwerk sozialer Integration auszubauen.

Das besonders gelungene Zusammenspiel von verschiedenen Beteiligten hat uns dazu bewogen, unseren Sozialpreis an das Projekt Riggi-Asyl zu vergeben. Die Förderung von interkultureller Verständigung, die Lösung konkreter Probleme im täglichen Zusammenleben und der Aufbau von lokal verankerten Begegnungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten sind spür- und erlebbar und haben zahlreiche Früchte getragen. Beispielhaft ist der gegenseitige Respekt, die spürbare menschliche Wärme, die gelebte Solidarität mit Menschen, die fast alles ausser ihr Leben verloren haben und in quälender Ungewissheit über ihre Zukunftsperspektiven ganz besonders darauf angewiesen sind, in der Fremde willkommen geheissen zu werden: als Mensch, als Individuum.

Tagtäglich lesen wir von Flüchtlingsdramen nicht weit von uns entfernt und die Bilder dazu brennen sich in unserem Gedächtnis ein. Die einzelnen Menschen mit ihren Schicksalen gehen vergessen. Riggisberg hat es geschafft, den Menschen ihren Namen und ihre Persönlichkeit zurückzugeben.


Verleihung Sozialpreis 2015 an Riggi-Asyl
Von links: Karin Zehnder, Daniel Winkler und Doris Eckstein (alle Delegierte des Freiwilligenkollektivs Riggi-Asyl), Essay Ghebrekristos (Bewohner Notunterkunft), Miriam Tröndle und Brigitte Hunziker (Jurymitglieder Sozialpreis AvenirSocial Sektion Bern).


Doris Eckstein; Koordinatorin der Freiwilligen, dankt für die Auszeichnung „ Wir nehmen diesen Preis an für alle, die sich in Riggisberg in irgendeiner Art eingesetzt haben für die Flüchtlinge, die hier untergebracht sind. … Was uns verbindet, sind nicht unser Aussehen, unsere Herkunft oder der soziale Hintergrund. Was uns verbindet, ist eine gemeinsame Motivation. Jeder und jede von uns setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Respekt behandelt werden, ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihres Aussehens. Die Bewohner und Bewohnerinnen des Durchgangszentrums sind Flüchtlinge, sie sind fremd hier, verletzlich und bedürftig.“

Daniel Winkler, Freiwilliger und Pfarrer in Riggisberg, erlebt sein Engagement als menschliche Bereicherung:„Begegnungen verändern uns. Sie sind das Beste, was uns passieren kann. Zynismus und Unmenschlichkeit entsteht nur dort, wo keine Begegnung stattfindet. Nur so ist‘s möglich, dass ein Mensch nur noch als anonyme Gruppe wahrgenommen wird, entmenschlicht, versachlicht, etikettiert und unter Kollektivverdacht gestellt. In der Begegnung aber erhält das Gegenüber ein menschliches Gesicht: Ein Mensch, der lacht und weint, mit Sorgen und Hoffnungen, mit Freuden und Ängsten.“

„Wir Freiwillige haben von allen Akteuren die dankbarste Aufgabe“, sagt Karin Zehnder, Freiwillige und Kirchgemeinderatspräsidentin. “Von Anfang an haben wir eben die Begegnung in den Vordergrund stellen dürfen. Niemand von uns war vorbereitet, und es war so erfrischend zu sehen, wieviel Gutes von Anfang an ganz spontan aus Herzenswärme und Mitgefühl entstanden ist. Erst nach und nach haben wir die Gelegenheit erhalten, uns ein wenig zu schulen und unser Tun zusammen zu reflektieren. Herzlichen Dank der schweizerischen Flüchtlingshilfe und der Heilsarmee Flüchtlingshilfe, die uns das ermöglicht hat.“