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Kolumne: von aussen betrachtet (Versorgung gestalten)

Kolumne von Simon Chen
ich bin nicht vom Fach...
Ich bin nicht vom Fach...
… aber ich finde, das Heftthema «Versorgung gestalten» klingt sprachlich etwas aufgesetzt, leicht überkandidelt (ein zugegeben selbst etwas überkandideltes Wort). Man kann Bilder, Räume, Landschaften gestalten, man kann Freizeitaktivitäten oder meinetwegen auch Schulstunden gestalten – aber Versorgung sichert oder gewährleistet man. Meinem Sprachgefühl nach passen die beiden Wörter «Versorgung» und «gestalten» nicht so recht zueinander. Ich sag ja auch nicht «Erholung kreieren», wenn ich Schlafen meine. Ich behaupte mal, «Versorgung gestalten» kommt etwas künstlerischer, kreativer daher, als es effektiv ist. Dem Versorgten kann es ja egal sein, ob die Versorgung gestaltet, kreiert oder gequirlt wurde, Hauptsache sie ist da. Aber wahrscheinlich geht es darum, die unterschiedlichen Arten und Ansätze der Versorgung je nach Fall, Person (und natürlich Kanton) quantitativ und qualitativ optimal ein- und effizient umzusetzen. Und da es sich bei den Klienten um Individuen handelt, gibt es in Sachen Versorgung wohl auch keine Patentlösung und keine Standardmethode, kein Richtig und kein Falsch. Es ist wie in der Kunst, die auch vielen Einflüssen unterworfen ist: der Absicht des Künstlers, der Laune des Publikums, den Zeichen der Zeit, und natürlich ist auch die politische und finanzielle Situation ein Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt. Um das Beste für den Kunden zu erzielen, sind die Verantwortlichen gefordert, aus einer ganzen Farbpalette von Optionen auszuwählen, zu kombinieren und bei Unvorgesehenem auch mal zu improvisieren, um nicht zu sagen zu jonglieren. Es ist nicht nur Fachwissen, sondern auch Gefühl und Intuition gefragt. Ich komme wider Erwarten zum Schluss, dass das Gewährleisten von Versorgung durchaus gestalterischen, künstlerischen Charakter hat und dass mein Fach und euer Fach zumindest entfernt verwandt sind. Es geht um Menschen: Patienten, Klienten, Kunden, Leser, Zuschauer. Die wollen versorgt werden. Kranke mit Pflege, Arme mit finanziellen Mitteln, Ratlose mit Rat, Trauernde mit Trost. Familien wollen mit Unterhalt versorgt werden, das Publikum mit Unterhaltung. Und das gestaltet sich nicht immer einfach und auch nicht immer gleich. Aber es gibt uns auch eine gewisse Freiheit. Deshalb: Lasst uns gestalten!