AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

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"Einen Monat von Sozialhilfe leben"

AvenirSocial Sektion Wallis möchte zeigen was es bedeutet, wenn eine Familie von der wirtschaftlichen Sozialhilfe abhängig ist. Aus diesem Grund wurde im Frühling ein Experiment lanciert, bei dem sich Familien melden konnten, um diese Erfahrung zu machen. Sechs Familien meldeten sich schliesslich bei «AvenirSocial». «Das wir so viele Interessenten haben, freut uns ungemein», sagt Vorstandsmitglied Cécile Berchtold. «Das grosse Interesse zeigt, dass wir irgendwo einen Nerv getroffen haben.»

Nächste Phase des Experiments
Nun geht das Experiment in die nächste Phase. Am 26. September 2014 trafen sich die Verantwortlichen mit den interessierten Familien in Visp. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik wurden die Familien über das weitere Vorgehen informiert. Während des Monats November sollen sie nun mit einem Budget auskommen, das dem entspricht, welches sie als Bezüger von Sozialhilfe zur Verfügung hätten. «Jede Familie muss individuell betrachtet werden, da die Unterstützung sehr genau nach den Lebensumständen und der Grösse der Familie berechnet wird», erklärt Cécile Berchtold. «Dazu müssen das jetzige Budget und die aktuellen Lebensumstände genau analysiert werden, damit wir während des Experiments möglichst realistische Bedingungen schaffen können.» Startet das Experiment dann im November, werden die Familien ihre Erfahrungen in einem Tagebuch festhalten. Zudem führen sie Buch über ihre Ausgaben. «Jeder Familie steht ein Betreuer zur Verfügung, an den sie sich wenden kann, wenn sie Schwierigkeiten hat. Zum Beispiel beim Bezahlen von Rechnungen», sagt Berchtold.

Vielfältige Beweggründe
Die teilnehmenden Familien haben derweil verschiedenste Beweggründe, warum sie an dem Experiment teilnehmen möchten. «Im Fernsehen sieht man oft, wie Familien am Existenz­minimun leben», sagt Jens Pianzola aus Visp. «Meine Frau und ich möchten darum einmal aus erster Hand erfahren, was das bedeutet.» Manfred Rieder aus Wiler dagegen möchte erfahren, was es mit den Vorurteilen bezüglich Sozialhilfe auf sich hat. «Das Thema ist hoch aktuell», erklärt er. «Immer wieder hört man, Sozialhilfebezüger lebten besser als die normal arbeitende Bevölkerung. Warum also nicht einmal eins zu eins erleben, wie es wirklich ist.» Auch die anderen Familien sind gespannt darauf, wie sich ihr Leben im November verändern wird. Nach Abschluss des Experiments soll dann eine detaillierte Auswertung und ein Erfahrungsaustausch zwischen den Familien stattfinden.

Text: Rhone Zeitung (RZ), www.rz-online.ch