AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

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Medienmitteilung und Stellungnahme zur medialen Kampagne gegen die «Sozialindustrie»

Mitte September überschlugen sich die Schlagzeilen: Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB, die Betreiber von Sozialfirmen und die Soziale Arbeit als Ganzes standen wegen des «Falls Hagenbuch» unter medialem Beschuss. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wurden zum Teil pauschal als Profiteure einer boomenden «Sozialindustrie» denunziert. AvenirSocial – Soziale Arbeit Schweiz – spricht sich vehement gegen solche Diffamierungen aus und setzt sich für eine sachliche Diskussion ein. Wer sparen will, sollte die Ursachen von Armut bekämpfen, anstatt Sozialabbau zu fordern.

In der Schweiz leben neben 330'000 Millionärinnen und Millionären auch 250'000 Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger. Die Nettoausgaben in der Sozialhilfe betragen weniger als 2 Prozent der Gesamtkosten im Bereich der Sozialen Sicherheit. Insgesamt 80% der Ausgaben sind an Risiken von Alter, Krankheit und Invalidität gebunden.
Auch wenn der Anteil der Sozialhilfe an den Sozialkosten in der Schweiz also sehr überschaubar ist, so wird doch mit unschöner Regelmässigkeit immer wieder mit scharfem Geschütz auf sie geschossen – letztmals Mitte September anlässlich der Diskussionen um den «Fall Hagenbuch». Die Rede war zudem von einer «boomenden Sozialindustrie» und von einer Sozialen Arbeit, die davon profitiere. AvenirSocial – Soziale Arbeit Schweiz – weist die Diffamierungen vehement zurück und will mit Fachinformationen dazu beitragen, dass die Diskussion wieder auf die sachliche Ebene zurückgeführt wird.

Sozialhilfe: Das Recht auf Existenzsicherung umsetzen
Soziale Arbeit ist ein Ergebnis sozialstaatlicher Arbeitsteilung. Dem Sozialstaat und seinen Institutionen ist die Aufgabe übertragen, die materielle Existenzsicherung der Bürger/innen in Notlagen (Armut, Behinderung, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit u.a.) zu gewährleisten. Die Sozialhilfe, oft als «letztes Netz» bezeichnet, ist der privaten Vorsorge (z.B. BVK (Pensionskassen), Säule 3a) und den grossen Sozialversicherungswerken (AHV, EO, IV, ALV) nachgelagert. Das bedeutet, dass eine Reduktion von Leistungen der Invalidenversicherung und der Arbeitslosenversicherung dazu führen kann, dass jemand die wirtschaftliche Sozialhilfe beantragen muss.
Die Klientinnen und Klienten der Sozialhilfe sind heute pauschalisierten Stigmatisierungen und einem generellen Betrugsverdacht ausgesetzt. Das Grundrecht auf ein menschenwürdiges Leben wird dabei nicht respektiert. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter stehen tagtäglich vor der herausfordernden Aufgabe, die Ansprüche auf Sozialhilfeleistungen im Kontext ihres eigenen Professionsverständnisses, der Grundrechte sowie der institutionellen und gesetzgeberischen Vorgaben abzuklären und auszulegen. AvenirSocial als Berufsverband der Sozialen Arbeit unterstützt seine Mitglieder bei der Wahrnehmung ihrer anspruchsvollen Tätigkeit und setzt sich für Rahmenbedingungen ein, die eine qualitativ gute Arbeit ermöglichen.

Sozialfirmen: Die neoliberale Rechnung scheint nicht aufzugehen
Die in den Medien heftig attackierten «Sozialfirmen» sind das Ergebnis der Verwaltungsreformen, wie sie in den 80er und 90er Jahren, getragen von einer neoliberalen Ideologie, unter dem Etikett «New Public Management» umgesetzt wurden. Es ging um den «schlanken Staat» bzw. um die «schlanke Verwaltung». Massnahmen der Sozialen Arbeit – von der Familienbegleitung bis zur Arbeitsintegration – zu «outsourcen», gehört mittlerweile zur Pflicht der öffentlichen Hand; von der Privatisierung verspricht man sich insbesondere Spareffekte. Wie die Kritik an den «zu hohen» Stundenansätzen der Sozialfirmen zeigt, scheint diese neoliberale Rechnung jedoch nicht aufzugehen. AvenirSocial setzt sich für eine Zertifizierung von Sozialfirmen ein, wobei es uns ein Anliegen ist, dass fachliche Kriterien den Vorrang haben gegenüber ökonomischen Argumenten.

Armut hat handfeste Ursachen
Relative Armut kann heute (fast) jede/n treffen: Kinder, Scheidungen, fehlende Ausbildung, zu tiefe Löhne, Arbeit auf Abruf, prekäre Arbeitsverhältnisse, Entlassungen, Burn-out, Gewalt, Krankheit und vieles mehr machen arm. Ein Ausstieg aus der Armut ist mittel- und langfristig möglich. Dazu sind jedoch neue Massnahmen zur Bekämpfung von Armut notwendig, die Bisherigen genügen nicht. Armut können wir nur gemeinschaftlich überwinden. Eine zu knappe Existenzsicherung wird kurzfristig und langfristig teure Folgekosten nach sich ziehen. Zu oft schädigt Armut die Gesundheit, beeinträchtigt die Entwicklung der Kinder und führt sehr schnell in soziale Isolation. Wer sparen will, sollte die Ursachen von Armut bekämpfen, anstatt Armutsbetroffene zu bestrafen.

  

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