AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

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AvenirSocial ist für ein soziales Existenzminimum

Die CVPO-Grossräte Egon Furrer und Aron Pfammatter fordern in einer Motion, dass die Sozialhilfe um zehn Prozent nach den bisherigen Richtlinien gesenkt werden soll. Zahlreiche Sozialhilfebeziehende stünden besser da, wenn sie arbeitslos blieben. Das sei eine absurde Ungerechtigkeit, monieren die Motionäre. Die Motion wurde am Dienstag vor einer Woche zur Behandlung an den Staatsrat überwiesen.

AvenirSocial, der Berufsverband der Professionellen in der Sozialen Arbeit, setzt sich gegen eine Kürzung der Sozialhilfe ein. Die Leistungen orientieren sich an den einkommensschwächsten zehn Prozent der Haushalte und sind so bemessen, dass Betroffene ein menschenwürdiges Leben im bescheidenem Rahmen führen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Die Sozialhilfe kennt bereits ein gut ausgebautes und etabliertes Anreizsystem, damit sich Arbeiten überhaupt lohnt. Für diejenigen, die können. Sozialhilfe beziehen aber nicht nur langzeitarbeitslose Personen, sondern auch 25% aller Alleinerziehenden und Familien mit mehr als drei Kindern oder Menschen, die einen nicht existenzsichernden Lohn erhalten (Working Poor) sowie chronisch kranke Menschen, die keine IV-Leistungen (mehr) erhalten. Sie ist das letzte Auffangnetz im System der sozialen Sicherheit in der Schweiz und ein effektives Instrument in der Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung.

Sozialhilfebeziehende Personen sind gegenüber Erwerbstätigen mit niedrigem Lohn nicht besser gestellt. Die Sozialhilfeleistungen sind meistens deutlich niedriger als die tiefsten Löhne. Die Sozialhilfe orientiert sich aber am Bedarfsdeckungsprinzip und nicht am Abstand zu den tiefsten Löhnen. Es kann daher bei grösseren Familien vorkommen, dass die Unterstützungsleistungen aufgrund der höheren Unterhaltskosten je nach Situation die niedrigsten Löhne übersteigen. Diese Ungerechtigkeit ist systembedingt und entsteht aufgrund anfallender Steuern, ungenügend vergünstigten Prämien- und Fremdbetreuungskosten ausserhalb der Sozialhilfe oder aufgrund von Eintritts- und Austrittsberechnungen in der Sozialhilfe. Es handelt sich dabei um Systemfehler, die im vorgelagerten kantonalen Bedarfsleistungs- und im Steuersystem zu beheben sind – und nicht durch Kürzungen in der Sozialhilfe. Viele Kantone haben die Problematik erkannt und Massnahmen ergriffen, um solche Effekte zu beseitigen.

Zu tiefe Löhne dürfen weder für die Volkswirtschaft noch für den Sozialstaat als Orientierungsgrösse dienen, um die Sozialhilfe zu definieren. Eine Kürzung der Sozialhilfe hätte zur Folge, dass Bedürftige viele ihrer grundlegenden Bedürfnisse nicht mehr decken könnten. Zu einem grossen Teil würden Kinder und Jugendliche betroffen sein, welche einen Drittel der Sozialhilfebezüger ausmachen. Die Sozialhilfe muss dafür sorgen, dass sie integriert sind und den sozialen Anschluss nicht verpassen. Den Schwächsten unserer Gesellschaft das Einkommen kürzen zu wollen, ist nach Ansicht von AvenirSocial eine absurde Ungerechtigkeit. Die Professionellen der Sozialen Arbeit im Wallis setzen sich für bedürftige Menschen im Wallis ein und schützen deren Recht auf ein menschenwürdiges Leben.

Der Vorstand AvenirSocial Sektion Wallis