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SozialAktuell — Die Fachzeitschrift für Soziale Arbeit

Monatsthema:

Soziale Sicherung - öffentliche Sicherheit

Zum Verhältnis von Sozialer Arbeit und Polizei

Claudia Grebenarov und Benjamin Shuler


Soziale Arbeit und Polizei pflegen eine wechselhafte Beziehung. Nach Jahrzehnten, welche von ideologischen und methodischen Grabenkämpfen der beiden Professionen geprägt waren, ist seit den 1990er-Jahren auf beiden Seiten eine pragmatische, teilweise gar wohlwollende Kooperationsbereitschaft erkennbar, wie Esteban Piñeiro, Nathalie Pasche und Martina Koch in ihrem Grundlagenbeitrag analysieren. Die neue Unverkrampftheit im Verhältnis der beiden Professionen ist erfreulich, sollte jedoch den Blick auf die unterschiedlichen Professionslogiken und Aufgaben nicht trüben.
Die Ambivalenzen im Verhältnis zwischen Sozialer Arbeit im Allgemeinen und Gassen- und Jugendarbeit im Speziellen auf der einen sowie Polizei auf der anderen Seite werden besonders anschaulich im Beitrag von Andreas Wyss und Sophie Hofmann herausgearbeitet.
Die Gewalt gegen und durch Polizeibeamte ist Thema des Beitrags von Patrik Manzoni und Dirk Baier. Die beiden Autoren legen den Fokus hierbei auf die Prävention und den möglichen Beitrag der Sozialen Arbeit.
Die historische Entwicklung der Arbeitsbeziehung zwischen Sozialer Arbeit und Polizei, insbesondere im Suchtbereich, wird anekdotisch von Christian Buschan-Fent geschildert.
Beispiele für eine gelingende Kooperation zwischen Sozialer Arbeit und Polizei schildern Massimo Bonato und Pascal Beugger.
An der Schnittstelle zwischen Sozialer Arbeit und Polizei bewegen sich der Jugenddienst der Kantonspolizei Basel-Landschaft sowie die mobile Interventionsgruppe Pinto in Bern – zwei Dienste, bei denen die Grenzen zwischen Sozialer und polizeilicher Arbeit fliessend sind.

Kolumne: von aussen betrachtet
Simon Chen,
Verbalarbeiter mit Auftrittskompetenz

Ich bin nicht vom Fach...
.… aber eines ist sicher: Es wollen mehr Buben Polizist werden als Sozialarbeiter (ich meine Buben, die Sozialarbeiter werden wollen,nicht Sozialarbeiter, die Polizisten werden wollen). Und es dürfte nicht allzu schwer sein, seinen Bubentraum (ist Polizistin ein Mädchentraum?) wahr werden zu lassen. Denn die Polizei sucht offenbar Nachwuchs.
Wenn man bei Google den Suchbegriff «Polizist» eingibt, kommt «Spannender Job in Zürich». Die Stadtpolizei Zürich wirbt mit dem Slogan «Job für alle mit blauweissem Herz. Jetzt bewerben!» Um Polizist oder Polizistin zu werden, müssen aber doch ein paar Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel werden «bei politischenund religiösen Einstellungen sowie in der äusseren Erscheinung keine Extreme geduldet».
Aber mit Extremen ist es wie mit dem Einsatz von Wasserwerfern –es ist immer eine Frage der Einschätzung. Ist ein Mitglied einer fundamentalistischen Freikirche, für den die Bibel über dem Gesetz steht, geeignet für den Polizeiberuf? Und was ist bei einem buschigen Hipsterbart? Eine solche üppige Gesichtsbehaarung könnte man durchaus als extrem bezeichnen, andererseits gehören Hipsters mittlerweile zum Stadtbild wie Parkuhren. Ein Vollbart im Zusammenhang mit einem arabischen Äusseren hingegen ist ziemlich sicher ein Hinderungsgrund. Ein Muslim, der Frauen die Hand nicht geben will, kommt für den Polizeidienst auch nicht in Frage, denn wer Frauen nicht berühren will, kann auch keine festnehmen. Ebenso bei Kahlköpfen: Ein rasierter Schädel allein geht, aber nur wenn er nicht Ausdruck einer politischen Einstellung ist, denn eine solche Glatze würde nur Ausländer verhaften. «Sichtbare Tätowierungen sind nicht erlaubt und müssen mit Uniformteilen oder ziviler Kleidung abgedeckt werden. Ausnahmsweise können kleine, unauffällige Tätowierungen erlaubt werden. Absolut verboten sind Tätowierungen, die vom Motiv und Inhalt her nicht mit dem Polizeiberuf vereinbar sind.» Ein No-Go wärenalso ein Stinkefinger und die Abkürzung «ACAB» (all cops are bastards)quer über der Stirn.
Hier das Profil des perfekten Polizeiaspiranten: atheistisch, aber mit einem festen Glauben an das Gute im Menschen; apolitisch,aber umfassend interessiert; normaler Bartwuchs, aber rasiert;sportlich, aber mit Fingerspitzengefühl; bestimmt, aber einfühlsam; selbstbewusst, aber kommunikativ; pünktlich, aber geduldig. Und auf dem Unterarm prangt eine kleine, unauffällige Tätowierung: «ACASW» – all cops are social workers.