AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Delegiertenversammlung 2011

24.06.2011, 09h45 – 16h45

Hotel Bern
Zeughausgasse 9
Bern

Rückblick Delegiertenversammlung 2011

Neue Byline angenommen

Mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit haben sich die Delegierten von AvenirSocial an ihrer Jahresversammlung in Bern für eine neue Byline entschieden. In der Korrespondenz sowie in allen Publikationen von AvenirSocial wird der bis jetzt verwendete Untertitel „Professionelle Soziale Arbeit Schweiz“ ersetzt durch den neuen Untertitel „Soziale Arbeit Schweiz“. Neu wird nebst den bisherigen drei Landessprachen auch eine vierte Zeile auf Rätoromanisch hinzugefügt. Alle Sektions-Anträge in dieser Frage wurden abgelehnt, auch derjenige, den Status Quo beizubehalten. Der Vorstand war nach langen internen Debatten zur Überzeugung gelangt, dass die Erwähnung des Begriffs „professionell“ im Untertitel nicht nötig sei, da dies beinhalte, dass Soziale Arbeit auch nicht professionell sein kann. Die Argumente für die Wahl einer neuen Byline begründen sich auf den folgenden Kriterien:
  • explizite Nennung in den vier Landessprachen, womit ein Zeichen in Bezug auf die Sorge um die Minoritäten gesetzt wird;
  • kurz und prägnant wird präzisiert, was AvenirSocial repräsentiert;
  • langfristige Perspektiven dank der Offenheit des Begriffs;
  • leicht nach aussen zu kommunizieren.
Alle anderen statutarischen Geschäfte waren weit weniger umstritten. Jahresbericht, Bilanz und Erfolgsrechnung 2010 wurden von den Delegierten ebenso per Akklamation angenommen wie das Budget 2012 und der Geschäftsplan für die Jahre 2011-2013. Von den Aktivitäten des vergangenen Jahres wurden insbesondere die Erarbeitung des Berufskodexes (www.berufskodex.ch) und die Kampagne Pro Sozialcharta (www.sozialcharta.ch) besonders herausgestrichen. Ebenfalls genehmigt wurde die Statutenänderung bezüglich des Berufskodexes: Die Mitglieder verpflichten sich, „nach dem Berufskodex zu handeln“ (neu); und bei Verstössen gegen den Kodex wird nun auf Sanktionen verzichtet.

Markus Jasinski: „Soziale Arbeit ist praktizierte Nachhaltigkeit“

Zuvor hatte Präsident Markus Jasinski in seiner Eröffnungsrede auf „die unterschätzte Gravitationskraft der Sozialen Arbeit“ hingewiesen, die vielen Menschen Vertrauen, Anerkennung, Respekt und Teilhabe vermittelt. Er geisselte die immer schnellere Rotation menschlicher Aktivitäten, generiert durch die zentralen Parameter von Leistung, Konkurrenz, Wettbewerb, Gewinnstreben und Profitinteressen. Im Gegensatz dazu versuche die Soziale Arbeit, die Menschen und ihr Recht auf Selbstverwirklichung, Selbstverantwortung und Autonomie in den Mittelpunkt zu stellen, ihre Teilhabe sowie ihre Integration sicherzustellen. Weil der Blick der Sozialen Arbeit aber auch die gesellschaftlichen Akteure und ihre Interessen einschliessen muss, sind Widersprüche und Verstrickungen unvermeidlich. Die Soziale Arbeit ist dabei zu einem zentralen Partner in der Gestaltung des Rechtsstaats und des Sozialstaats geworden, dessen Zentrum auch in Zukunft Menschenrechte, Bürgerrechte und Sozialrechte sind. Als Verband versucht AvenirSocial einerseits an die Traditionslinien der Sozialen Arbeit anzuknüpfen und diese als Menschenrechtsprofession zu positionieren, andererseits sieht er sich als Teil der schweizerischen Zivilgesellschaft und ihrer Errungenschaften. „Wir sehen uns als Brückenbauer und Bewahrer, die nicht auf das eigene Interesse, den eigenen Nutzen fokussieren, sondern den Ausgleich und die Balance zwischen den gesellschaftlichen Akteuren und Erwartungen suchen“, so Jasinski. Als Teil einer Generationskette sei die Vorstellung einer Nachhaltigkeit des Zusammenlebens und gesellschaftlichen Engagements für die Soziale Arbeit nicht neu. Nicht Verschwendung und Plünderung der Ressourcen können das 21. Jahrhundert in die Zukunft führen, sondern der schonende Umgang mit unserem sozialen Kapital: Soziale Arbeit ist praktizierte Nachhaltigkeit - seit Generationen.

Die Soziale Arbeit ist in den vergangenen Jahren für ein solches modernes Verständnis offen und anschlussfähig gewesen, und war damit in einer grossen Vielzahl von neuen Aufgaben erfolgreich. Jasinski erwähnte die Schulsozialarbeit, Spitalsozialarbeit, Betriebliche Sozialarbeit, Altersarbeit, Professionalisierung des Vormundschaftswesens und somit der Sozialdienste, verbesserte stationäre Rahmenbedingungen der Sozialpädagogik, gestärkte Gemeinwesenarbeit, hochstehende Ausbildungsangebote an den Fachhochschulen und höheren Fachschulen. Zum Schluss plädierte er für den Ausbau des gemeinsamen Fundamentes (theoriegeleitete Soziale Arbeit, Orientierung an den Erwartungen und Lebensbedingungen der Klientinnen, Berücksichtigung des gesellschaftlich-politischen Auftrags und Diskurses, Orientierung am Berufskodex, die Vernetzung mit nationalen und internationalen Akteuren, die starke Beteiligung der Mitglieder und Sektionen an der Organisationsentwicklung), um von dieser starken Basis aus die Wirksamkeit gegen Aussen zu stärken.
Den ganzen Redetext finden Sie unter www.avenirsocial.ch/de/dv

Inge Schädler zum Ehrenmitglied gewählt

An der DV wurde das Vorstandsmitglied Véréna Keller einstimmig für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt. Und wie jedes Jahr gab es auch heuer wieder den Delegierten einige Mutationen im Personalbereich zu vermelden:
  • Die langjährige Geschäftsleiterin Isabelle Bohrer, die Ende letzten Jahres zurückgetreten ist, wurde von den Delegierten für ihre engagierte Arbeit mit lange anhaltendem Applaus verabschiedet;
  • Reto Tognina trat als AvenirSocial-Vertreter – ebenfalls nach langjähriger Präsenz – aus dem Vorstand des SGB aus;
  • Klaus Kühne wurde als Vertreter von AvenirSocial als First Deputee in das Exekutivkomittee von IFSW Europe gewählt.
Ein Highlight der diesjährigen DV war die Aufnahme von Inge Schädler als Ehrenmitglied. Die „Powerfrau“, wie sie von mehreren der LaudatorInnen genannt worden ist, ist seit ihrer Ausbildung als Soziarbeiterin eng mit dem Berufsverband verbunden. Als besonders aktives Mitglied hat sie dessen Ausrichtung seit 1963 wesentlich mitgeprägt. Sie ist seit 1987 im Vorstand der Sektion Zürich, von 1998 bis 2010 auch dessen Präsidentin, zudem leitete sie die sozial- und berufspolitischen Fachkommissionen. Auf nationaler Ebene ist sie in der Fachkommission Internationales und Präsidentin der Kommission für Berufs- und Bildungspolitik. In dieser Funktion hat sie die Erarbeitung des Berufsbildes und des Berufskodexes massgeblich mitgeprägt. Sie hat zudem die Vereinheitlichung der Lohnempfehlungen in die Wege geleitet sowie die Anstellungsempfehlungen miterarbeitet. Seit dem Start der Projektgruppe Sozialcharta ist Inge dort Mitglied. Sie war Initiantin des Projektes Stärkung der Regionen und hat dieses bis Ende 2010 auch intensiv begleitet. Vor kurzem hat Inge eine Archivgruppe ins Leben gerufen, die sich um die Archivierung nationaler und regionaler Dokumente bemüht.

Beruflich war Inge von 1965 bis 1983 beim diakonischen Zentrum der Waldenser in Palermo tätig. Ab 1966 wurde sie für diese Arbeit vom HEKS Zürich angestellt. 1983-2000 kehrte sie in die Schweiz zurück, wo sie fortan bis zu ihrer Pensionierung beim HEKS tätig war, zuerst auf der Regionalstelle Aargau als Sozialarbeiterin, ab 1985 als Mitglied des nationalen Leitungsteams des HEKS-Flüchtlingsbereichs. 1989 übernahm sie die Verantwortung für den gesamten Auslandsektor. In den letzten Berufsjahren war Sie zuständig für den Aufbau eines Controllings und des Qualitätsmanagements für das Gesamt-HEKS.
Daneben hatte Inge noch weitere, zeitaufwendige Mandate inne: Vorstandsmitglied des Evangelischen Frauenbundes Zürich, Präsidentin von „solino“, Ortspräsidentin der SP Zollikon, Mitglied der dortigen Sozialbehörde, Vizepräsidentin der SP-Geschäftsleitung des Bezirks Meilen, SP-Arbeitsgruppen und -Kommissionen auf kantonaler und nationaler Ebene, Projektprüfungskommission des Zürcher Spendenparlamentes, Revisorin eines Hilfsvereins für alternative Hilfe in Armenien.

Inge war immer informiert, vernetzt und engagiert – der Slogan von AvenirSocial passt bestens zu ihr. Wir freuen uns, Inge als Ehremitglied aufnehmen zu dürfen!

Ideenwerkstatt 2011: Erste Schritte für eine Strategieentwicklung

Ein wichtiger Teil der diesjährigen DV waren die Diskussionen rund um die Ideenwerkstatt 2011. Diesen war der ganze Vormittag gewidmet. Dabei ging es - unter Einbezug der Mitglieder – in erster Linie darum, die künftigen Szenarien, Projektideen und Vorschläge zur Ausrichtung von AvenirSocial zu sammeln, sie auf ihre Umsetzbarkeit hin zu bewerten und schlussendlich auch zu priorisieren. Ein ausführlicher Beitrag zur Ideenwerkstatt 2011 folgt in Kürze.

Nick Manouk
Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Rede von AvenirSocial Präsident Markus Jasinski - document, 0.13 MB)   Rede von AvenirSocial Präsident Markus Jasinski