AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Delegiertenversammlung 2010

Am 25. Juni 2010 fand in der Berner Schmiedstube die fünfte ordentliche Delegiertenversammlung von AvenirSocial statt. Das reich befrachtete Programm führte zu engagierten Diskussionen, insbesondere bei der Verabschiedung des neuen Berufskodexes. Die Vielfalt der behandelten Traktanden und Voten zeigen das grosse Engagement der Mitglieder in einem lebendigen Berufsverband, meinte der für vier weitere Jahre wiedergewählte Präsident Markus Jasinski.

Wie auch in den letzten beiden Jahren eröffnete Bruno Keel, Leiter der Kampagne „Pro Sozialcharta“, die DV mit einem Update über den aktuellen Stand der Arbeiten zur Ratifizierung der europäischen Sozialcharta durch die Schweiz. Im dritten Jahr der Kampagne sei es endgültig gelungen, das Thema Sozialcharta auf die politische Agenda zu setzen. Nach der Annahme des Postulats der jurassischen Ständerätin Anne Seydoux (CVP) ist der Bundesrat nun beauftragt, einen Bericht zum Thema Sozialcharta zu erarbeiten. Dank der Kampagne „Pro Sozialcharta“ konnte sich AvenirSocial bei den sozialen Menschenrechten profilieren und eine breitere Öffentlichkeit dafür sensibilisieren.

Präsentation Kampagne Pro Sozialcharta



Neuer Berufskodex angenommen

Wichtigstes Traktandum der DV 2010 war wohl die Verabschiedung des neuen Berufskodexes. Nach der Fusion zu AvenirSocial wurden die bestehenden Berufskodizes der fusionierten Verbände zusammengeführt und 2006 unter dem Namen von AvenirSocial veröffentlicht. Bereits damals wurde der Beschluss gefasst, den Berufskodex zu revidieren und den aktuellen Gegebenheiten und Erkenntnissen anzupassen. Eine rund dreijährige Expert/innen-Arbeit hat zum neuen Berufskodex geführt, welcher jetzt von der Delegiertenversammlung am 25. Juni angenommen worden ist.

Nach einer breiten Vernehmlassung des Entwurfs in der Praxis war der neue Kodex von der Subkommission „Berufskodex“ der Kommission Berufsethik (unter der Federführung des Vorstandsmitgliedes Beat Schmocker) bereinigt und verabschiedet worden. Der Vorstand Schweiz hatte den neuen Kodex im März 2010 nach intensiven Diskussionen ebenfalls verabschiedet.

Anträge der Sektion Bern und der Sektion Zürich führten an der DV zwar zu neuerlichen engagierten Diskussionen, die sich aber eher an einzelnen Formulierungen entzündeten als an der inhaltlichen Grundausrichtung des Berufskodexes. Nach einigen wenigen sprachlichen Retouchen wurde der Kodex in der vorliegenden Fassung von der DV verabschiedet. Auf eine Kurzfassung wird verzichtet. Hingegen sollen Merkblätter für bestimmte Adressatengruppen (z.B. KlientInnen) erarbeitet werden. Ebenfalls wurde beschlossen, die Broschüre mit dem Berufskodex nur den Mitgliedern und Sektionen gratis anzubieten. Für Nicht-Mitglieder ist er kostenpflichtig, auch die Online-Version im Internet kann nur gegen eine Gebühr ausgedruckt werden.

Der Vorstand Schweiz ist überzeugt, dass mit diesem Kodex ein Argumentarium vorliegt, das den aktuellen Anforderungen an den berufsethischen Diskurs entspricht und den Professionellen Sozialer Arbeit Grundlagen liefert, um im Alltag berufsethische Fragestellungen bewusst zu reflektieren und entsprechende Entscheide zu treffen.



Zukunftswerkstatt 2011: Strategische Positionierung von AvenirSocial

Präsident Markus Jasinski präsentierte in einem längeren Referat einige Grundgedanken zum Begriff der Zivilgesellschaft, zu Modellen der Zivilgesellschaft und zu den daraus entstehenden strategischen Implikationen für einen Berufsverband wie AvenirSocial. Er formulierte dabei folgende Thesen:

  • Die klassische Fokussierung auf Markt, Staat und Gewerkschaften/Parteien verengt die zukünftigen Perspektiven. Das Engagement für die Soziale Arbeit und die möglichen Aussenwirkungen werden dadurch unzulässig begrenzt.

  • Die Organisationen der Zivilgesellschaft werden in den kommenden Jahren ihre Bedeutung und ihren Einfluss auf politische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Prozesse und Strukturen weiter verstärken.

  • Die Positionierung von AvenirSocial sollte sich langfristig (neben der klassischen Orientierung an Mitgliedern und KlientInnen) ein priorisiertes Netzwerk innerhalb der Organisationen der Zivilgesellschaft aufbauen.

Mit diesen ersten Ideen will der Vorstand eine offene Strategiediskussion innerhalb des Verbands lancieren. Er hat deshalb vorgeschlagen, am Morgen der ordentlichen DV 2011 eine Zukunftswerkstatt zur strategischen Ausrichtung des Berufsverbandes zu organisieren. Diskussionen rund um diese Themen könnten bereits vor der DV in den diversen Gremien lanciert werden, so dass an der DV 2011 ein breiter Austausch stattfinden könnte.
Bericht zur Mitgliedschaft bei Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB
Vorstandsmitglied Verena Keller präsentierte den Auswertungsbericht über die Mitgliedschaft beim SGB, der von der DV angenommen wurde. Die Sektion Zentralschweiz hatte an der letzten DV den Vorstand beauftragt, in diesem Bericht Auskunft zu geben über die Art und Weise der Zusammenarbeit mit dem SGB, über Erfahrungen mit der Mitgliedschaft und über die Vor- und Nachteile für AvenirSocial. Die Sektion Zentralschweiz hatte zudem beantragt, zu überprüfen, ob für sie eine Möglichkeit besteht, die Mitgliedschaft im Luzerner Gewerkschaftsbund (LGB) aufzuheben.

Um die statutarischen Ziele zu erreichen, kooperiert AvenirSocial mit verschiedenen Organisationen (Fachverbände, Berufsverbände, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, aber auch Verbände, die im Bereich der Sozialen Arbeit tätig sind wie Caritas, HEKS, Pro Senectute etc.). Dabei kann es sich um eine punktuelle Zusammenarbeit oder dauerhafte Kooperationen handeln. AvenirSocial ist seit seiner Gründung im Jahr 2005 Mitglied beim SGB. Der neue Verband übernahm dazumal alle Mitgliedschaften von seinen Fusionspartnern. Dies entspricht übergeordneten Zielen und ermöglicht dem Berufsverband Einflussnahme auf nationaler und allenfalls kantonaler Ebene. AvenirSocial ist ein kleiner Verband im grossen SGB (der etwa 380'000 Menschen organisiert), repräsentiert jedoch einen wichtigen Sektor und hat Anspruch auf Vertretungen in verschiedenen Gremien des SGB. Der SGB nimmt Einfluss im Sinn und Geist von AvenirSocial, wo unser kleiner Verband dafür keine Ressourcen hat. Die Positionen von AvenirSocial und SGB liegen sehr nahe beieinander. Beide Verbände verpflichten sich Werten wie sozialer Gerechtigkeit und Menschenrechten und kümmern sich um die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder.

Die Sektion Zentralschweiz ist die einzige Sektion von AvenirSocial, die den Statuten des SGB entspricht, da sie im kantonalen Gewerkschaftsbund Mitglied ist. Für diese Sektion besteht ein Lösungsvorschlag: sie wird ohne Kostenfolgen Mitglied beim Luzerner Gewerkschaftsbund bleiben können.

Bericht zur Mitgliedschaft beim SGB



Interaktive Elemente auf der Website von AvenirSocial

Die Webseite von AvenirSocial dient dem Informationsaustausch, vor allem mit den Mitgliedern, aber auch mit PolitikerInnen, Medienschaffenden und Organisationen. Die Sektion Bern hatte an der DV 2009 die Erstellung eines Blogs beantragt. Als Gegenvorschlag hat der Vorstand Schweiz von AvenirSocial die Ausarbeitung eines umfassenden Konzeptes zur Integration von interaktiven Elementen auf der Webseite vorgeschlagen. Dieses Konzept, von Darius Portmann erstellt und von den Delegierten angenommen, wird nun bis Mitte Oktober 2010 umgesetzt. Die Integration der interaktiven Elemente wird zusammen mit einem Redesign und der Anbindung der Webseite an die Mitgliederdatenbank angegangen. Ein Forum ermöglicht den Austausch unter den Mitgliedern von AvenirSocial. Nichtmitglieder haben keinen Zugang. Alle Mitglieder und AbonnentInnen erhalten die Möglichkeit, Beiträge aus den Fachzeitschriften, Positionierungen, Grundlagendokumente, Medienmitteilungen etc. zu kommentieren. Jedes Mitglied erhält zudem die Möglichkeit, sein Kompetenzprofil im Login-Bereich der Webseite zu erfassen. Die Weiterleitung und Verbreitung von Artikeln auf unserer Webseite soll durch die Anbindung an die gängigen Social Communities erleichtert werden.

Konzept „Interaktive Webelemente“



Präsident Markus Jasinski wieder gewählt, Thomas Michel neu im Vorstand

Der Präsident und die Mitglieder des Vorstandes Schweiz werden jeweils für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt. Ausser Véréna Keller wurden alle Mitglieder des bestehenden Vorstandes an der ordentlichen DV vom 16.06.2006 gewählt, so dass ihre Amtszeit im Juni abgelaufen ist. Der amtierende Präsident wurde von der Delegiertenversammlung ebenso einstimmig für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt wie die bisherigen Vorstandmitglieder Sabina Hochuli, Beat Schmocker und Ruth Steiner. Auf Vorschlag der Sektion Aargau wurde Thomas Michel, diplomierter Sozialarbeiter FH und während 12 Jahren Vorstandsmitglied der Sektion Aargau, neu in den Vorstand Schweiz gewählt.



Weitere Verbandsgeschäfte

Die Delegierten verabschiedeten an der Versammlung noch einige weitere statutarische Geschäfte:

  • Angenommen wurde der Antrag des Vorstandes Schweiz zur Änderung des Aufnahmereglements. Damit werden Mitglieder, die ihren Beitrag nicht bezahlt haben, bereits nach einem Jahr (statt wie bisher nach zwei Jahren) als ausserordentliche Austritte verzeichnet.

  • Beim Projekt Stärkung der Regionen wurde das Beitragsreglement dahingehend angepasst, dass der Finanzfluss zwischen nationalem Verband und den Sektionen, die sich an diesem Projekt beteiligen, geregelt ist.. Von jedem Mitgliederbeitrag stehen der Sektion, der das Mitglied angehört, 20 % zu. Sektionen, die gemäss DV-Beschluss berechtigt sind, Sonderbeiträge zu erheben, stehen 30 % jedes ordentlichen Mitgliederbeitrags zu. Für Sektionen, die nicht alle Aufgaben selbst wahrnehmen und gemäss Beschluss Aufgaben umverteilen, reduziert sich der Beitrag entsprechend.

  • Ein Antrag der Sektionen Genf, Waadt und Neuenburg für niedrigere Mitgliederbeiträge in der Romandie wurde abgelehnt. Der Vorstand Schweiz hatte dafür plädiert, den minimalen und historisch gewachsenen Kompromiss über die Höhe der Mitgliederbeiträge und der dafür angebotenen Leistungen derzeit nicht zu gefährden und die Diskussion erst nach 2013, wenn die Resultate der Marketingaktivitäten vorliegen, wieder aufzunehmen.

  • Der Jahresbericht 2009 und die Jahresrechnung 2009 wurden genehmigt. Ende Jahr waren noch 18478 Franken offen, der grösste Teil davon ausstehende Mitgliederbeiträge. Durch den Verlust ist das Verbandsvermögen um 20472 Franken gesunken. In der Erfolgsrechnung hinterlässt der Rückgang der Abonnemente bei SozialAktuell einige Spuren ebenso wie der Einnahmerückgang bei den Publikationen und die Ausgaben für die schlussendlich abgesagte Jahrestagung.

  • Das Budget 2011, das von einem Defizit von 8700 Franken ausgeht, wurde angenommen. Ziel ist die Erschliessung neuer Einnahmequellen.