Im Rahmen der Kampagne Pro Sozialcharta haben Studierende des Masterstudiengangs «Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession» am Zentrum für Postgraduale Studien ZPSA Berlin vergangenen Sommer elf qualitative Forschungsinterviews mit bürgerlichen und rechten ParlamentarierInnen geführt. Ziel der Interviews war, Begründungen für die tendenziell ablehnende Einstellung bürgerlicher ParlamentarierInnen gegenüber den Sozialrechten und der revidierten Sozialcharta herauszufinden.
Als zentrale Ergebnisse liessen sich die folgenden Punkte festhalten:
- Die Befragten, die sich vorgängig bereits inhaltlich mit der Thematik befasst hatten, waren die einzigen Befürworter einer Ratifikation der revidierten Europäischen Sozialcharta.
- Je weiter rechts sich ein Parlamentarier/eine Parlamentarierin im politischen Spektrum situiert, desto eher neigt er/sie zu einem emotionalen Zugang zur Thematik, im Gegensatz zu einer mehrheitlich verbreiteten kognitiven Herangehensweise.
- Ein emotionaler Zugang in Kombination mit Unwissenheit sowohl über die konkrete Bedeutung des Begriffs der Sozialrechte wie auch über die revidierte Europäische Sozialcharta ist eine zentrale Begründung einer ablehnenden Einstellung und diffuser Ängste in Bezug auf die Thematik.
|
Die detaillierten Ergebnisse der Interviews befinden sich als Download auf der Kampagnenwebseite
www.sozialcharta.ch.In der Folge fanden zwei Schulungstage statt, an denen unter anderem die Interviewergebnisse an Interessierte aus der Sozialen Arbeit und anderen Tätigkeitsfeldern vermittelt wurden. Die Teilnehmenden nahmen anschliessend Kontakt zu weiteren ParlamentarierInnen auf und führten Gespräche, um sie zu einer Annahme der Ratifikationsvorlage im Falle einer Abstimmung in ihrem Rat zu bewegen.
Mit diesem Vorgehen will die Kampagne das von Ständerätin Anne Seydoux geplante Postulat in der aussenpolitischen Kommission des Ständerates (siehe SozialAktuell 01/2010) unterstützen und die Voraussetzungen für eine Mehrheit in den Räten im Falle einer Annahme des Postulates durch die Kommission schaffen.
Kommentare
Neuen Kommentar hinzufügen