AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

Kurzsichtiger Entwurf zur 6. IV Revision

Die Auswirkungen der 5. IV Revision sind noch nicht analysiert und bereits liegt ein neuer Revisionsentwurf der Invalidenversicherung vor. Die Revision ist übereilt, die vorgeschlagenen Massnahmen kurzsichtig und unkoordiniert. Der Druck auf die Leistungsbeziehenden zur oft unrealistischen Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt nimmt weiter zu.

AvenirSocial, der grösste Berufsverband der Professionellen der Sozialen Arbeit der Schweiz, nimmt zum Vernehmlassungsentwurf der 6. Revision der Invalidenversicherung Stellung.
Noch sind die Auswirkungen der 5. IV Revision nicht analysiert. Trotzdem liegt bereits der Entwurf zur 6. IV Revision vor. Zur langfristigen Sicherung der Invalidenversicherung sind zweifelsohne innovative Lösungsansätze gefragt. Leider wirkt der vorliegende Revisionsentwurf überstürzt und kurzsichtig. Die komplexen Fragestellungen werden auf rein ökonomische Aspekte verkürzt. Die Reduktion der Beitragsbezüge um 5 Prozent bis 2028 bringt dies deutlich zum Ausdruck und ist willkürlich.
Die Kategorie der Anspruchsberechtigten wird durch die Revision noch enger gefasst. Dadurch fallen noch mehr bedürftige Menschen durch das Netz der Invalidenversicherung. Aufgrund der mangelnden Koordination auf nationaler Ebene, ist eine reine Umverteilung auf andere soziale Sicherungssysteme, bspw. die Sozialhilfe aber auch die Arbeitslosenversicherung, zu befürchten. Die Bemühungen zur Reintegration von Menschen mit einer Behinderung in den Arbeitsmarkt werden grundsätzlich begrüsst. Doch werden keine schlüssigen Lösungsansätze aufgezeigt, wie das weiterhin ungenügende Angebot an Arbeitsplätzen für Leistungsschwächere im ersten Arbeitsmarkt angegangen werden soll. Durch die starke Gewichtung der Arbeitsintegration wird die Stigmatisierung erwerbsloser IV-Bezüger weiter zunehmen.
AvenirSocial kritisiert auch die Kopplung der Beitragsleistungen des Bundes an die Veränderung der Mehrwertsteuereinnahmen. Eine Mehrwertsteuersatzsenkung, durch eine erneute Wirtschaftskrise, würde die Existenz der IV stark gefährden. Die vorgesehen Massnahmen der 6. IV Revision sind aus Sicht der Professionellen der Sozialen Arbeit unverantwortlich. Sie schwächen die Eigenverantwortung und die Autonomie der betroffenen Menschen. Die individuellen Ursachen, die zu einer Invalidität führen, werden grob vernachlässigt.