|
Nach innovativen Ansätzen in den Neunzigerjahren droht die schweizerische Drogenpolitik zu stagnieren. Die Abstimmungen über die Revision des Betäubungsmittelgesetzes und die Hanfinitiative haben die öffentliche Diskussion über das Drogenproblem zwar wieder etwas belebt. Das Interesse der Bevölkerung ist aber bei weitem nicht mehr so gross wie damals, als vor allem die Städte mit offenen Drogenszenen konfrontiert waren. Für die Zukunft braucht es breiter gefasste Ansätze, bei denen die aus fachlicher Sicht willkürliche Grenze zwischen illegalen und legalen psychoaktiven Substanzen aufgehoben wird.
Seit mehr als zehn Jahren wird im stationären Suchthilfebereich eine Schliessung nach der anderen bekannt. Ist die stationäre Therapie nicht mehr gefragt? Haben sich die Drogenkonsumierenden verändert? Welche Rolle spielen die platzierenden Sozialdienste? Wer steuert diese Entwicklung und wie sieht die Zukunft der Institutionslandschaft aus?
Bewegung ist bekanntlich gesund. Somit sind Änderungen in Leistungsverträgen oder institutionelle Anpassungen und neue Interventionsmethoden zu begrüssen. Doch Suchtmittelabhängige, bei denen Stillstand als Erfolg zu werten ist, drohen dabei aus dem Blickwinkel zu fallen. Sie zu bewegen, würde ihre Misserfolgsgeschichten steigern.
Der Psychiatrische Dienst für Abhängigkeitserkrankungen (PDA) ist zuständig für Prävention, Früherfassung, Krisenintervention und die kontinuierliche Betreuung der Suchtbetroffenen. Dazu gehören auch die Indikation und Durchführung von Substitutionsprogrammen, die Platzierung in stationäre Einrichtungen und das Erstellen von Gutachten.
Die Soziale Arbeit hat eine lange Tradition in der ambulanten und stationären Behandlung von Menschen mit einer Substanzstörung. Methoden wie Case Management, Beratung, sozialpädagogische Konzepte sowie psychotherapeutische Ansätze bilden dabei eine wichtige Grundlage. Doch diese Zugänge werden von Vertretern einer eher soziologischen Sichtweise der Sozialen Arbeit immer wieder kritisiert.
Jugendliche brauchen zu einer gesunden Entwicklung gesellschaftliche Freiräume. Das Experimentieren mit Suchtmitteln kann dabei Teil der Erkundigung sein. Unsere Aufgabe ist es, frühen Kontakt zu verhindern und dort einzugreifen, wo sich Fehlentwicklungen anbahnen.
Das Blaue Kreuz hat sich in 130 Jahren von einer Bewegung zu einer internationalen tätigen Fachorganisation der Suchthilfe entwickelt, spezialisiert auf Alkohol. Als diakonisches Hilfswerk orientiert sich die Arbeit auch am christlichen Glauben. Die Angebote sind auf gesellschaftliche Anforderungen ausgerichtet. Von den Leistungsvereinbarungen mit den Kantonen profitieren nicht nur die beiden Vertragspartner, sondern vor allem auch die KlientInnen.
Seit in den Zürcher Polikliniken Lifeline und Crossline nicht mehr vom Straf-, sondern vom Schutzgedanken ausgegangen wird, hat sich das Klima wesentlich verbessert. Möglich gemacht hat das ein grosses Umdenken – vor allem auch seitens der Fachleute. Denn auch Suchtkranke sprechen auf Gewaltfreie Kommunikation an.
Heute ist in der Suchtarbeit die Überlebenshilfe der Standard. Sie erscheint offenbar ökonomisch günstiger als teure Langzeittherapien. Denn Psychiatrisierung und ärztlich-medikamentöse Behandlung von Suchtkranken wird über die Krankenkassen bezahlt. Der Autor des vorliegenden Beitrags plädiert aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen für die Beibehaltung individueller Therapieeinrichtungen.
Kommentare
Neuen Kommentar hinzufügen