Rund 70 Personen nahmen am zweiten Sektionsabend in diesem Jahr teil. Die Rekordbeteiligung zeigt die Brisanz des Themas bereits auf.
'Bündner NFA' ist ein Projekt der Bündner Regierung. Es geht darum die über die Jahrzehnte gewachsenen Aufgaben- und Finanzströme zu entflechten und die Aufgabenerbringung effizienter zu gestalten. Wichtige Bereiche der Sozialen Arbeit sind von diesem Projekt betroffen.
Die Referenten waren:
- Urs Brasser, Finanzsekretär des Departementes für Finanzen und Gemeinden
- Simon Theus, Gemeindeberater beim Amt für Gemeinden
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Es zeigte sich, dass das Projekt Bündner NFA noch nicht bis in die letzten Details ausgereift ist. Einige Fragen konnten nicht zur Zufriedenheit der Fragestellenden beantwortet werden oder wurden am Vernehmlassungsbericht kritisiert. Einige ausgewählte Fragestellungen:
- Zu reden gab unter anderem die getroffene Annahme, dass die Gemeinden ihre Aufgaben professionell erbringen. Es wurde angemerkt, dass es nicht am Willen fehle, aber die Grösse vieler Gemeinden lasse eine professionelle Aufgabenerfüllung nicht zu.
- Ausserdem wurde bemängelt, dass der Bericht nicht klar von persönlicher und materieller Hilfe unterscheidet. Trotzdem 63% der Personen in Sozialberatung keine materielle Sozialhilfe in Anspruch nehmen, stellt der Bericht dies nicht klar dar. Die einzige Antwort darauf, wie eine Gemeinde professionell Sozialberatung anbieten könne, war denn auch im Verbund. Dies den Gemeinden aber frei zu lassen und ausserdem gleich noch die SKOS-Richtlinien für nicht mehr verbindlich zu erklären stiess auf geringes Verständnis.
- Offen blieb auch die Frage, was mit bestehenden kantonalen Beiträgen und Leistungsverträge an Organisationen geht, welche spezialisierte Sozialberatung anbieten (z.B. Pro Senectute, Adebar, Schuldenberatung Rotes Kreuz, Pro Infirmis u.s.w.). Müssen diese Organisationen in Zukunft mit allen Gemeinden verhandeln? Es zeigte sich, dass der Vernehmlassungsbericht der Komplexität der Aufgabe Sozialberatung und der in vielen Bereichen notwendigen Spezialisierungen nicht genügend Rechnung getragen hat.
- Angemerkt wurde, dass Nutzniesser von Sozialberatung nicht einfach nur die Hilfe suchenden sind, sondern klar die ganze Gesellschaft und der Staat, weil gerade die 63%, welche bloss Beratung in Anspruch nehmen durch die Beratung vielfach befähigt werden im Arbeitsprozess zu bleiben und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen.
- Im Bereich der Pflegekinderaufsicht gab es keine Antworten darauf, wer in Zukunft bestehende Pflegeverhältnisse begleiten werde und ausserdem, wer für Adoptionen zuständig sein werde.
- Auch bei der Familienergänzenden Kinderbetreuung und der Mütter- und Väterberatung wurde kritisiert, dass die aufgebauten Strukturen nun mit einem Schlag in Frage gestellt würden und befürchtet, dass die Gemeinden diese Aufgabe nicht wahrnehmen könnten.
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Urs Brasser und Simon Theus hatten sicherlich keine einfach Aufgabe an diesem Abend den Fachpersonen im Sozialbereich die Bündner NFA näher zu bringen. Sie betonten, dass dieses Projekt noch nicht ausgereift sei und man jetzt gespannt auf entsprechenden Stellungnahmen warte. Von Seiten von AvenirSocial Graubünden betonte Patrik Degiacomi, dass man sehr bemüht sei das System und die Denkweise der Vorlage zu verstehen und die Gedanken nachzuvollziehen. Er sprach die Hoffnung aus, dass gleiches auch mit den in den Stellungnahmen eingebrachten Vorwänden geschehen möge.
Die entsprechende Vernehmlassung läuft bis Ende Juli 2008. AvenirSocial Graubünden bearbeitet das Thema mit grosser Priorität.
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