AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

SozialAktuell Juli: KlientInnenperspektive

Liebe Leserin, lieber Leser
Immer mal wieder gab es sozial Tätige mit der Überzeugung, dass nur eine gute Fachperson werden kann, wer in seinem Lebenslauf mit einer ähnlich gelagerten Problematik konfrontiert war wie seine spätere Klientel. Dieser Vorstellung entsprechend sollte je­mand, der in der Suchtberatung arbeitet, mindestens eine Entzie­hungskur am eigenen Leibe erfahren haben. Nur so könne die Kli­entin oder der Klient richtig verstanden werden.
Diese Haltung ist heute nicht mehr weit verbreitet. In der Ausbildung lernen wir uns und unser Umfeld in der Interaktion zu re­flektieren. Den meisten ist klar, dass wir die Perspektive der an­deren Seite nicht kennen, auch wenn wir oft und über lange Zeit mit unseren KlientInnen zusammen sind. Wollen wir belastbare Erkenntnisse über die Perspektiven der KlientInnen gewinnen, müssen wir sie erforschen und uns auf die Reflexionen der Kli­entInnen einlassen. Die Hochschulen haben das Thema des Ein­bezugs der Sichtweise von KlientInnen auf vielfältige Weise auf­ genommen. Differenziert ausgearbeitet wurde der Ansatz des User Involvement in der vorliegenden Heftausgabe durch Kons­tantin Kehl und Olivia Rauscher.
In den vergangenen Jahren sind mehrere Projekte zum Thema er­arbeitet worden mit dem Ziel, die KlientInnenperspektive reprä­sentativ und über die gesamte Zeitspanne der Betreuung/Bera­tung von den Betroffenen selber zu erfahren und entsprechende Instrumente für eine Optimierung der Sozialen Arbeit zu schaffen. Für eine Soziale Arbeit, die auf den Ansatz der Lebensweltorien­tierung abstützt, ist der Einbezug der Perspektive der AdressatIn­nen zentral. Dies wird in den Beiträgen von Claudia Daigler, Cla­rissa Schär sowie im Artikel von Karin Werner, Renate Stohler und Jessica Wendland deutlich. Aurelia Spring zeigt uns auf, wie wir Einblick in die Perspektive von Menschen gewinnen können, die «hard to reach», also nicht leicht zu erreichen sind. Ronald Lutz geht unter anderem der Frage nach, wie die Sichtweise von Kli­entInnen durch die Definitionsmacht von Professionellen beein­flusst wird und wie wir diesem Prozess in einer dialogischen Pra­xis entgegentreten können.
In unserem Schwerpunkt dürfen Stimmen von KlientInnen nicht fehlen. In zwei Interviews berichten Betroffene eindrücklich, wie sie die Zusammenarbeit mit den Fachpersonen der Sozialen Arbeit erleben. Wir wünschen Ihnen eine angeregte Lektüre und hoffen, dass wir alle weiterhin – ganz im Sinne der Professionalität – im­mer mal wieder die Brille unseres Gegenübers aufsetzen können.

Aktuell

  • Kurzmeldungen

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  • In der Badi verschwimmen soziale Grenzen

    (Roman Enzler)

    Unter Fachleuten ist der Nutzen von Schwimmkursen für Asylsuchende kaum umstritten. Die Kapazität von freiwilligen SchwimmlehrerInnen ist aber begrenzt, und die meisten Kantone ducken sich weg. Nicht so Solothurn: Der Kanton öffnet seinen 2017 für unbegleitete minderjährige Asyl­suchende (UMA) lancierten Schwimmkurs heuer allen Asylsuchenden.

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Schwerpunkt

  • Die Perspektive der Klientel

    (Aurelia Spring)

    KlientInnenperspektiven auf die Profession und die Professionellen der Sozialen Arbeit sind wichtig, da berufliche Selbstverständnisse auch vor dem Hintergrund dieser Sichtweisen reflektiert und weiterentwickelt werden sollten. Wie werden diese Perspektiven in der Forschung erhoben? Und wie können sie in der Praxis nutzbar gemacht werden?

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  • AdressatInnenorientierung

    (Claudia Daigler)

    Der Beitrag führt in das Konzept «AdressatInnenorientierung» ein, klärt Begriff und Ziele und konkretisiert mit Beispielen aus der AdressatInnenforschung, was mit dieser Perspektive neu in den Blick kommen kann beziehungsweise in welcher Weise sich andere, ergänzende Hinweise und Relevanzen ergeben (können).

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  • Care Leaver im Übergang in die Selbständigkeit

    (Karin Werner, Renate Stohler, Jessica Wendland)

    Die vermehrte Berücksichtigung der Perspektive von Klientinnen und Klienten der Sozialen Arbeit ist ein aktuelles Thema. In den Fachdiskursen der Sozialen Arbeit in Europa hat der «User Involvement»-Ansatz in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und Popularität gewonnen. Dieser Ansatz basiert auf dem Grundgedanken, dass die Perspektive der Klientinnen und Klienten in die Praxis, Lehre und Forschung der Sozialen Arbeit miteinzubeziehen ist.

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  • Wie Familien Kindeswohlabklärungen erleben

    (Clarissa Schär)

    Der Artikel präsentiert Befunde zum Erleben von Kindeswohlabklärungen durch Betroffene. Er zeichnet Unsicherheiten und Ungewissheiten im Abklärungsverfahren nach und stellt professionelles Reflexionswissen zur Verfügung, wie behördlich angeordnete Kindesschutzverfahren gestaltet werden sollten.

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  • «Eine Bewilligung zum Leben, ist das normal?»

    (Interview mit Dorinha Melo)

    Wir sind zusammen eine einzige Menschheit, und die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Diese zwei Selbstverständlich­keiten laut auszusprechen, ist dringend geboten. Die Sozio­login und Psychologin Dorinha Melo ist durch ihr Wissen und durch ihre persönliche Erfahrung eine ausgewiesene Expertin in diesen Fragen. Im Gespräch mit SozialAktuell nimmt sie Stellung zu Fragen des Zusammenlebens und macht das auch anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte deutlich.

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  • «Zur Ruhe gekommen bin ich nie»

    (Interview mit Bernd Reutegger)

    Die eigene Situation zu reflektieren, ist immer mit Arbeit verbunden. Das gilt besonders für Menschen, die aufgrund von persönlichen Belastungen in die Abhängigkeit von sozialen Institutionen geraten sind. Bernd Reutegger kennt als langjähriger Mitarbeiter auf Akutstationen die Welt der Institutionen von beiden Seiten. Er hat sich bereit erklärt, Einblick in sein Erleben und seine Sicht auf unser Dasein und auf Institutionen zu geben.

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  • Beschädigte Blicke?

    (Ronald Lutz, Alexander Stauss)

    Wie klar beschreiben Erzählungen von KlientInnen deren Lebenssituationen, wie realistisch sind ihre Weltsichten? Gibt es gar «Beschädigungen» oder Verzerrungen der Blicke, die sie auf ihre Welt werfen? Verzerrungen auch in Bezug auf Macht- und Kontrolleinwirkungen, denen sie unterworfen sind? Wie sollte Soziale Arbeit damit umgehen?

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  • Mittendrin statt nur dabei

    (Konstantin Kehl, Olivia Rauscher)

    Alle Beteiligten im Sozialbereich möchten mit ihrem Handeln grösstmögliche Wirkung erzielen. Doch wer entscheidet, was unter den Wirkungen einer Organisation zu verstehen ist? Bislang oft nur die Mitarbeitenden der Organisation selbst, aber nicht ihre KlientInnen.

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  • Weblinks zum Thema

    Zusammengestellt durch die Geschäftsstelle von sozialinfo.ch unter sozialinfo.ch/sozialaktuell

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Plattform

  • Empfehlungen für die Gemeinwesenentwicklung

    (Monika Cajas, Sabine Schenk)

    Zahlreiche Gemeinden stehen heute aufgrund demografischer und wirtschaftlicher Wandlungsprozesse vor neuen Herausforderungen: Bevölkerungswachstum, wachsende Mobilität der Bevölkerung, Migration, Veränderungen des ehrenamtlichen Engagements und des Freizeitverhaltens sind einige davon. Die Verantwortlichen in den Gemeinden und Verwaltungen sind gefordert, die Quartier-, Freizeit- und Jugendarbeit auf die gegenwärtigen Entwicklungen abzustimmen. Wie dies in den Gemeinden heute gemacht wird und wie der Prozess verbessert und unterstützt werden kann, war Gegenstand eines Forschungsprojektes unter der Leitung der ZHAW Soziale Arbeit. Ein Bericht aus Sicht der Praxispartnerin – der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren.

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  • Wirkungen von Integrationsprogrammen in der Sozialhilfe

    (Peter Neuenschwander )

    Die Berner Fachhochschule hat in einer Studie die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Integrationsprogrammen in der Sozialhilfe untersucht. Die Studie wurde von Innosuisse unterstützt, der im Auftrag des Bundes tätigen Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung.

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  • Behindertenhilfe: Über den Sinn und Unsinn von Intensivbetreuungen

    (Daniel Kasper, Stefania Calabrese)

    In Institutionen des Behindertenbereichs ist ein Trend in Richtung Intensivbetreuung beobachtbar. Aus sozial- und sonderpädagogischer Perspektive ist dies vor allem für die Entwicklungs- und Zukunftsperspektiven der betroffenen Klientinnen und Klienten äusserst kritisch.

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Kiosk


AvenirSocial

  • Für eine Verbesserung der Ausbildungssituation in der Sozialen Arbeit

    (Lukas Geiger)

    Vor einem Jahr hat AvenirSocial seine Ausbildungskampagne lanciert. Die Aus­einandersetzungen während der Kampagne zeigen, dass deren Grundanliegen, die relevanten Punkte der momentanen Aus­bildungssituation in der Sozialen Arbeit zu thematisieren, hochaktuell ist. Es zeigt sich aber auch: Trotz oder gerade wegen der Komplexität des Gegenstands der Sozialen Arbeit scheinen sich Vorurteile und Kli­schees über die Soziale Arbeit und deren Fachpersonen hartnäckig zu halten.

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  • Verbandsnachrichten

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