AvenirSocial - Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

SozialAktuell — Die Fachzeitschrift für Soziale Arbeit

Monatsthema:

Gemeinwesenarbeit auf dem Lande

Zukunftsprojekte jenseits des urbanen Raums

Martina Buchli und Marco Mettler

Die Schweiz besteht geografisch gesehen zum grössten Teil aus ländlichem Raum. Dieser birgt eigene Voraussetzungen für die Soziale Arbeit, wie wir unter anderem im Heft «Soziale Arbeit auf dem Lande» (04/2014) beleuchtet haben.
Das Bundesprogramm «Projets urbains», welches von 2008 bis 2015 durchgeführt wurde, setzte in städtischen Quartieren Massnahmen in verschiedenen Bereichen um, etwa in Raumplanung, Wohnen, Infrastruktur, Sicherheit, Verkehr sowie Sozial- und Integrationspolitik – mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern. Die Ergebnisse sind beeindruckend.
Dabei stellte sich für uns aber auch die Frage: Wie sieht es denn im ländlichen Raum aus? Wir gingen davon aus, dass Themen wie Abwanderung, Service public, Tourismus hier interessieren dürften. Weiter hatten wir die Hypothese, dass auf politischer Ebene im urbanen Raum eine grössere Sensibilisierung für die Themen und Inhalte der Gemeinwesenarbeit und deren Professionelle besteht. So gehört beispielsweise die offene Kinder- und Jugendarbeit zum Regelangebot der meisten grösseren städtischen Gemeinden.
Das vorliegende Heft zeigt, dass gemeinwesenorientierte Soziale Arbeit im ländlichen Raum Fuss gefasst hat. Das Programm «periurban» der Eidgenössischen Migrationskommission EKM leistete dabei Unterstützung. Dabei übernehmen unterschiedlichen Einrichtungen, wie unter anderem die offene Kinder- und Jugendarbeit, soziokulturelle Aufgaben, welche im urbanen Raum von «klassischen» Gemeinwesenarbeitenden übernommen wird.
Wir erteilen nun gerne den engagierten Fachpersonen, auf welche wir bei der Recherche für dieses Heft gestossen sind, das Wort. Sie erzählen von spannenden Projekten und Aufgaben auf dem Land.

Kolumne: von aussen betrachtet
Simon Chen,
Autor und Kabarettist


Grüezi, was kann ich für Sie tun?
Dialog am Gemeindeschalter


A: Guten Tag!
B: Grüezi, was kann ich für Sie tun?
A: Ich bin kürzlich hierher gezogen …
B: … aha, wohl in diese neue Siedlung …
A: … genau. Ich wollte mich erkundigen, was es hier für Angebote gibt;
ich möchte gerne Leute vom Dorf kennenlernen.
B: Gehen Sie am besten in die Wirtschaft, der Sternen ist gleich nebenan.
A: Ich denke mehr an ein aktives Engagement …
B: Wir haben verschiedene Vereine, Fussballclub, Schützenverein,
Gemischter Chor …
A: … zum Beispiel alten Leuten im Altersheim vorlesen oder sowas.
B: Hier gibts kein Altersheim. Bei uns auf dem Land werden die Alten noch zu
Hause betreut.
A: Verstehe. Aber vielleicht gibts sonst Aufgaben, für die es Freiwillige braucht?
B: Vor Weihnachten, Kerzenziehen, da brauchts immer ein paar Helferinnen.
A: Kerzenziehen ist schön, aber jetzt haben wir Februar.
B: Ich schau mal. (Blättert in einem Ordner) «Integration von Neuzugezogenen» … da steht aber nur «Wenden Sie sich an die Gemeinde».
A: Da bin ich ja richtig hier …
B: Ich weiss nicht. Wissen Sie, bis diese Siedlung gebaut wurde, hatten wir
eigentlich keine Neuzuzüger.
A: Darf ich fragen, sind Sie denn irgendwo dabei?
B: Ich?
A: Ja, engagieren Sie sich neben Ihrem Job hier noch irgendwo?
B: (zögert) … Ich war aktiv im Initiativkomitee gegen diese Siedlung.
A: Oh! (schmunzelt. B schmunzelt zurück)
B: Das ist nichts gegen Sie, wir wollten einfach nicht, dass so viel Grünland verbaut wird. Jetzt ist es eben, wie es ist. Warum sind Sie denn hierhergezogen, wenn ich fragen darf?
A: In der Stadt war es mir zu hektisch, zu laut. Überall diese Baustellen …
Beide lachen los.
A: Ich bin die Angela.
B: Bea.